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Grundlagen & Pathogenese

Der Diabetes mellitus Typ 1 (T1D) ist eine chronische Autoimmunerkrankung, bei der eine selektive Zerstörung der insulinproduzierenden Beta-Zellen im Pankreas zu absolutem Insulinmangel führt. T1D ist die häufigste Stoffwechselerkrankung im Kindes- und Jugendalter und erfordert eine lebenslange Insulintherapie.

Kernpathologie: Autoreaktive T-Lymphozyten (CD4⁺ und CD8⁺) zerstören Beta-Zellen des Pankreas über Jahre hinweg (präklinische Phase). Klinische Manifestation tritt auf, wenn ~80–90 % der Beta-Zell-Masse zerstört sind. Der Prozess ist HLA-assoziiert und wird durch Umweltfaktoren getriggert.

Pathogenetische Kaskade

PHASE 1
Genetische Prädisposition
HLA-DR3/DR4, HLA-DQ2/DQ8
PHASE 2
Umwelttrigger
Viren, Mikrobiom, Ernährung
PHASE 3
Autoimmun-Aktivierung
Autoantikörper (GADA, IAA, IA-2A, ZnT8A)
PHASE 4
Beta-Zell-Zerstörung
Insulitis, Dysglykämie
PHASE 5
Klinische Manifestation
Absoluter Insulinmangel, Hyperglykämie

Typen des Diabetes mellitus im Kindesalter

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Typ 1a (Autoimmun)

>95 % aller Kinder-Diabetes. Autoantikörper positiv. HLA-assoziiert. Absoluter Insulinmangel. Lebenslange Insulintherapie notwendig.

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Typ 1b (idiopathisch)

Keine nachweisbaren Autoantikörper. Klinisch wie Typ 1a. Selten. Stärkere ethnische Häufung (afrikanische, asiatische Herkunft). Absoluter Insulinmangel.

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Typ 2

Zunehmendes Problem im Jugendalter (Adipositas). Insulinresistenz + relative Insulininsuffizienz. Autoantikörper negativ. Metformin + ggf. Insulin.

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MODY (1–14)

Monogene Diabetesformen. 1–5 % aller pädiatrischen Diabetesfälle. Oft mild, familiär, kein Insulinbedarf (MODY2/3). Genetische Diagnostik obligat.

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Sekundärer Diabetes

Nach Pankreaserkrankungen (CF-related DM), Steroidtherapie, nach Pankreatektomie (z.B. PHI-OP). Spezifische Therapie der Grunderkrankung.

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Neonataler DM

Manifestation < 6 Monate: KATP-Kanal-Mutationen (KCNJ11, ABCC8). Sulfonylharnstoff oft hochwirksam statt Insulin! Genetische Diagnose entscheidend.

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Epidemiologie & Trends

~21
Neuerkrankungen pro 100.000 Kinder/Jahr in Deutschland (steigende Tendenz)
~32.000
Kinder und Jugendliche mit T1D in Deutschland (DPV-Register 2023)
3–5 %
Jährliche Zunahme der T1D-Inzidenz weltweit seit den 1980er Jahren
5–14 J.
Häufigster Erkrankungsgipfel, zunehmend auch Kleinkinder < 5 Jahre

COVID-19 und T1D: Während und nach der Pandemie wurde eine signifikante Zunahme der T1D-Neuerkrankungen sowie häufigere und schwerere DKA-Manifestationen bei Erstdiagnose beobachtet. Als mögliche Mechanismen werden SARS-CoV-2-Infektion der Beta-Zellen, veränderte Arztbesuche und veränderte Umweltbedingungen diskutiert.

03

Klinische Symptome

Klassische Trias & Erstsymptome

KLASSISCHE TRIAS (POLYSYMPTOMATIK)

  • Polyurie (häufiges, reichliches Wasserlassen)
  • Polydipsie (übermäßiger Durst, große Trinkmenge)
  • Gewichtsverlust (trotz erhaltenem/gesteigertem Appetit)
  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Leistungsabfall
  • Nykturie / Enuresis (auch bei bereits trockenem Kind)
  • Sehstörungen (osmotische Linsenquellung)

WEITERE ERSTSYMPTOME

  • Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen
  • Obstipation, Appetitlosigkeit
  • Kopfschmerzen, Konzentrationsprobleme
  • Schulterschmerzen (osmotisch)
  • Hautinfektionen, Soor (Kandidose)
  • Schulleistungsabfall (Hyperglykämie-Effekte)
  • Bei Kleinkindern: Windeldurchnässen, Windelkandidose

Diabetische Ketoazidose (DKA)

⚠ Notfallsituation! DKA bei Erstmanifestation in Deutschland: ~20–30 % (höher bei jüngeren Kindern und Kindern mit Migrationshintergrund). Lebensbedrohlich, insbesondere durch Hirnödem. Mortalität: ~0,5 % der DKA-Episoden.

SchweregradpHBikarbonatBewusstseinBehandlung
Leicht7,20–7,3010–15 mmol/lWach, alertOrale Rehydrierung + s.c. Insulin möglich
Mäßig7,10–7,195–9 mmol/lLeichte Bewusstseinseintrübungi.v. Flüssigkeit + i.v. Insulininfusion
Schwer< 7,10< 5 mmol/lBewusstseinseintrübung, SomnolenzICU, strenge i.v. Therapie, Hirnödem-Monitoring
⚠️

Hirnödem (DKA-Komplikation)

Häufigste Todesursache bei pädiatrischer DKA (0,3–1 %). Risikofaktoren: junges Alter, niedriges pCO₂, Bikarbonat-Gabe, rascher Natriumabfall, hohes Harnstoff. Therapie: Mannitol 0,5–1 g/kg i.v. sofort.

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Euglykämische DKA

Blutzucker < 200 mg/dl trotz DKA – seltener, aber real. Unter SGLT2-Inhibitoren. Normaler BZ schließt DKA nicht aus! Ketone und pH immer bestimmen.

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Elektrolytveränderungen

Kalium: initial oft scheinbar normal oder erhöht (Azidose), Gesamtkörper-K⁺ aber erniedrigt → Kaliumsubstitution unter Insulintherapie obligat! Hyponatriämie: Korrekturformel anwenden.

Hypoglykämie

LevelGrenzwertSymptomeTherapie
Level 1< 70 mg/dl (< 3,9 mmol/l)Warnsymptome: Zittern, Schwitzen, Hunger, Herzklopfen, Blässe15 g schnelle KH (Traubenzucker, Fruchtsaft)
Level 2< 54 mg/dl (< 3,0 mmol/l)Neuroglykopenisch: Konzentrationsstörung, Verwirrtheit, AggressionSofort 15–20 g KH oral; BZ-Kontrolle nach 15 min
Level 3 (schwer)Jeder Wert mit FremdhilfeBewusstlosigkeit, Krampfanfall, keine Selbsthilfe möglichGlukagon i.m./s.c. 1 mg (≥ 25 kg) oder nasal (Baqsimi); 10 % Glukose i.v. 2 ml/kg
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Diagnostik

Diagnosekriterien (WHO / ADA)

Diagnose DM bei Symptomen (polyurisch-polydiptisches Syndrom): Ein einziger Befund genügt: (1) Gelegenheits-BZ ≥ 200 mg/dl (11,1 mmol/l) ODER (2) Nüchtern-BZ ≥ 126 mg/dl (7,0 mmol/l) ODER (3) 2-h-Wert im OGTT ≥ 200 mg/dl ODER (4) HbA1c ≥ 6,5 % (48 mmol/mol). Bei Symptomfreiheit: 2 Befunde an verschiedenen Tagen.

  1. Sofort-Diagnostik bei Verdacht Blutzucker (kapillär oder venös), Urin auf Glukose und Ketone (Streifentest), Blutgasanalyse (DKA?), Elektrolyte (Na⁺, K⁺), Laktat. Bei klinischen Zeichen einer DKA: sofortige Krankenhausaufnahme.
  2. Bestätigung der Diagnose Nüchtern-Plasma-Glucose, HbA1c, C-Peptid (Restfunktion der Beta-Zellen), Insulin (basal). C-Peptid bei Erstdiagnose: bei T1D meist erniedrigt, aber innerhalb von 6 Monaten nach Manifestation noch variabel (Honeymoon-Phase).
  3. Autoantikörper-Diagnostik GADA (Anti-GAD65), IAA (Insulin-Autoantikörper, nur vor Insulinbeginn sinnvoll), IA-2A (Anti-Tyrosinphosphatase), ZnT8A (Anti-Zink-Transporter-8). Mindestens 2 von 4 positiv → T1D-Diagnose gesichert. Negativität schließt T1D nicht aus, erhöht aber MODY-Wahrscheinlichkeit.
  4. Schilddrüsenautoantikörper & Funktion TSH, fT4, TPO-AK: Autoimmune Thyreoiditis (Hashimoto) ist häufigste Komorbidität bei T1D (15–30 %). Screening bei Diagnose und dann jährlich.
  5. Zöliakie-Screening Anti-tTG-IgA + Gesamt-IgA: Zöliakie-Prävalenz bei T1D ~5–10 %. Screening bei Diagnose und dann alle 2 Jahre. Bei IgA-Mangel: IgG-Antikörper.
  6. Lipidprofil, Blutdruck, Urinalbumin Kardiovaskuläres Risikoprofil ab Diagnose. Urinalbumin-Kreatinin-Quotient (UAE) ab 5 Jahren Diabetesdauer oder ab 10 Jahren als Nephropathie-Screening. Augenärztliche Untersuchung ab 5 Jahren T1D-Dauer oder ab dem 11. Lebensjahr.

Labordiagnostik – Referenzwerte & Monitoring

ParameterMethodeZielwert Kinder/Jug.FrequenzKlinische Bedeutung
HbA1cHPLC / Immunoturbidimetrie< 7,0 % (53 mmol/mol)Alle 3 MonateLangzeitblutzuckerkontrolle (3 Monate). Ziel: individuell; keine Grenze absolut.
Time in Range (TIR)CGM (70–180 mg/dl)> 70 % TIRKontinuierlich / bei jeder VorstellungModernster Surrogatmarker; besser als HbA1c allein
Time below Range (TBR)CGM (< 70 mg/dl)< 4 % Level-1-HypoKontinuierlich< 1 % schwere Hypoglykämie (< 54 mg/dl). Sicherheits-Paramount.
GMI (Glucose Management Indicator)CGM-abgeleitet< 7,0 %Bei jeder VorstellungHbA1c-Schätzung aus CGM-Daten; genauer bei striktem CGM-Tragen
C-PeptidSerum / Urin-stimuliert< 0,2 nmol/l = abgeschl. Beta-Zell-FunktionInitial; ggf. jährlich erste 5 JahreHoneymoon-Detektion; Differenzierung T1D vs. T2D / MODY
Lipide (nüchtern)EnzymatischLDL < 100 mg/dl; TG < 150 mg/dlJährlichKHK-Risiko bei schlechter Kontrolle erhöht; Statin ab LDL > 160 mg/dl
UAE (Albumin/Kreatinin)Morgenurin< 30 mg/g KreatininJährlich ab 5 J. DM-DauerFrühzeichen Nephropathie. Bei Erhöhung: RAS-Blocker erwägen
eGFRCKD-EPI / Schwartz> 90 ml/min/1,73 m²Jährlich ab 5 J. DM-DauerNierenüberwachung; Dosisanpassung Medikamente
TSH / TPO-AKImmunoassayTSH 0,5–4,5 mU/lBei Diagnose; jährlichHashimoto-Komorbidität (15–30 %); Levothyroxin bei manifester Hypothyreose
tTG-IgA / Gesamt-IgAELISANegativBei Diagnose; alle 2 JahreZöliakie-Screening (5–10 % Prävalenz bei T1D)
Blutgasanalyse (venös)BlutgasanalysepH 7,35–7,45; HCO₃ 22–26 mmol/lBei klinischem Verdacht DKADKA-Diagnose und -Verlauf; pH-Monitoring unter Therapie

Autoantikörper-Profile – Staging nach ADA/ISPAD

StadiumAutoantikörperGlukosestoffwechselSymptomeKonsequenz
Stadium 1≥ 2 Autoantikörper positivNormalKeineScreening in Risikofamilien; ggf. Studienteilnahme; Teplizumab-Zulassung in USA
Stadium 2≥ 2 Autoantikörper positivDysglykämie (IFG/IGT)KeineEngmaschiges Monitoring; Präventivstudie
Stadium 3≥ 1 Autoantikörper positivDM-Diagnosekriterien erfülltSymptomatischInsulintherapie sofort beginnen
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Molekulargenetische Diagnostik & HLA

Obwohl T1D eine polygene Erkrankung ist, spielt die HLA-Region auf Chromosom 6p21 die entscheidende Rolle: ~50 % der genetischen Suszeptibilität ist auf HLA-Loci zurückzuführen. Molekulargenetische Diagnostik ist bei T1D kein Routinebestandteil der klinischen Diagnostik, aber essentiell für die Differenzierung von MODY und anderen monogenen Diabetesformen.

HLA-Assoziation bei Typ-1-Diabetes

HLA-AllelAssoziationRelatives RisikoHäufigkeit bei T1DKlinische Relevanz
HLA-DR3-DQ2Risiko (heterozygot)RR ~5~50 %Häufigste Risikok-Kombination; auch assoziiert mit Zöliakie und Hashimoto
HLA-DR4-DQ8Risiko (heterozygot)RR ~6~60 %Zweithäufigste Risikokombi; frühere Manifestation; stärkere Insulitis
HLA-DR3/DR4 (heterozygot)Höchstes RisikoRR ~20–25~30 % aller T1DStärkste Risikokombi; häufig frühe Manifestation, DKA bei Erstdiagnose
HLA-DR2-DQ6 (DQB1*06:02)ProtektivRR < 0,1Sehr selten bei T1DStärkstes protektives Allel; T1D bei Trägern extrem selten
HLA-DR1, DR5, DR7Neutral / moderat protektivRR ~1HintergrundfrequenzKein wesentlicher Einfluss auf T1D-Risiko

Weitere T1D-Suszeptibilitätsgene (Non-HLA)

Gen / LocusFunktionEffekt
INS (Insulingen, 11p15)Insulinexpression im Thymus → ToleranzVNTR-Polymorphismen → verminderte Thymus-Toleranzinduktion → T1D-Risiko ↑
PTPN22Lymphozyten-Tyrosinphosphatase (LYP)R620W-Variante: Störung zentraler Toleranz → T-Zell-Aktivierung ↑; auch bei RA, SLE
CTLA4T-Zell-ko-inhibitorisches SignalPolymorphismen → verminderte T-Zell-Suppression → Autoimmunität ↑
IL2RA (CD25)IL-2-Rezeptor α-Kette, Treg-FunktionVarianten → gestörte Treg-Expansion und -Funktion → Autoimmunität ↑
IFIH1 (MDA5)Intrazellulärer RNA-Helikase, ViruserkennungGain-of-function → verstärkte Interferon-Antwort nach viraler Infektion → Insulitis
SH2B3 / CLEC16A / ERBB3Immunregulation, ThymusfunktionMultiple Suszeptibilitätsloci; jeweils kleiner Einzeleffekt; kombinierter polygener Score

Monogene Diabetesformen – MODY-Diagnostik

Wann an MODY denken? Keine Autoantikörper · Familiäre Häufung über mehrere Generationen (autosomal-dominant) · Geringer Insulinbedarf · Persistentes C-Peptid · Erkrankungsbeginn < 25 Jahre · Kein Übergewicht · Kein Ketoazidose-Risiko (MODY2/3).

MODY-TypGenHäufigkeitKlinisches BildTherapie
MODY 1HNF4A~5 %Progressiver Insulinmangel; Makrosomie bei Geburt; Sensitivität für SulfonylharnstoffeSulfonylharnstoff (first line), ggf. Insulin
MODY 2GCK~30–40 %Milde stabile Nüchternhyperglykämie (5,4–8 mmol/l); HbA1c 5,5–7,5 %; kein Progressionsrisiko; keine KomplikationenKeine Therapie notwendig! In der Schwangerschaft: ggf. Insulin
MODY 3HNF1A~30–40 %Progressive Beta-Zell-Dysfunktion; oft postprandiale Hyperglykämie; Glykosurie bei normalem BZ; Komplikationsrisiko wie T1DSulfonylharnstoff hocheffektiv! (niedrige Dosen); später ggf. Insulin
MODY 4PDX1 (IPF1)SeltenMilder bis schwerer Diabetes; bei biallelischen Mutationen: Pankreas-AgenesieSulfonylharnstoff / Insulin je nach Schwere
MODY 5HNF1B~5 %Diabetes + Nierenzysten/-dysplasie + Genitalfehlbildungen + Gicht; chromosomale Deletion häufig de novoInsulin (meist kein Sulfonylharnstoff-Ansprechen)
MODY 6–14DiverseSeltenNeuro-D1, KLF11, CEL, PAX4, INS, BLK, KCNJ11 u.a.; unterschiedliche PhänotypenIndividuell; genetische Diagnostik entscheidend
Neonataler DM (NDM)KCNJ11 / ABCC8~50 % aller NDMDM-Beginn < 6 Monate; Kir6.2/SUR1-Kanal-Mutationen; z.T. DEND-Syndrom (neurologisch)Glibenclamid (Sulfonylharnstoff) statt Insulin! Dramatisches Ansprechen.
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Differenzialdiagnostik

ErkrankungAbgrenzung zu T1DWegweisende Diagnostik
MODY 2/3Keine Autoantikörper; familiäre Häufung; milder Verlauf (MODY2); Sulfonylharnstoff-Ansprechen (MODY3); persistentes C-PeptidAutoantikörper negativ; C-Peptid; MODY-Gendiagnostik-Panel (NGS)
Typ-2-DiabetesAdipositas (zentral); Insulinresistenz (Acanthosis nigricans); kein/niedriger Autoantikörper-Titer; erhöhtes C-Peptid; familiäre T2D-BelastungAutoantikörper, C-Peptid, Nüchterninsulin, HOMA-IR; Karyotyp bei DSD-Verdacht
Neonataler DM (< 6 Monate)Manifestationsalter < 6 Monate; meist Autoantikörper negativ; KATP-Kanal-Mutationen häufigGenetische Diagnostik (KCNJ11, ABCC8, FOXP3 u.a.); Therapieversuch Glibenclamid
SteroiddynabetesZeitlicher Zusammenhang mit Steroidtherapie; postprandiale Hyperglykämie; oft reversibelAnamnese; nach Steroidreduktion BZ-Verlauf
CF-related Diabetes (CFRD)CF-Diagnose bekannt; Insulinmangel durch Fibrose; keine Ketoanfälligkeit; unterschiedliche TherapieOGTT bei CF ab 10 Jahren jährlich; CGM; CF-Genotyp
Mitochondrialer Diabetes (MIDD)Mütterliche Vererbung; Schwerhörigkeit; MELAS; Laktaterhöhung; mt-DNA-MutationLaktat, mitochondriale Diagnostik, mt-DNA-Sequenzierung
Wolfram-Syndrom (DIDMOAD)Diabetes insipidus + DM + Optikusatrophie + Taubheit; progredientWFS1-Gen; Ophthalmologie; MRT; Audiometrie
PseudohyperglykämieLaborartefakt (z.B. bei Polyzythämie, langer Transportzeit); Patient asymptomatischWiederholung mit Plasmaglukose; Hämatokrit bestimmen
StressglykämieTransiente Hyperglykämie bei akuter Erkrankung; kein DM; normalisiert sich spontanHbA1c; Verlaufs-BZ; Autoantikörper
Prader-Willi / LeprechaunismusSyndromale Ursachen mit Insulinresistenz/Hyperinsulinismus; spezifische DysmorphienChromosomenanalyse; Genetik; klinisches Bild
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Insulintherapie

Insulin ist die einzige lebensnotwendige Therapie bei T1D. Moderne Insuline werden mit Gentechnik hergestellt (Humaninsulin-Analoga) und ermöglichen durch ihr pharmakodynamisches Profil eine physiologischere Blutzuckerregulation als Humaninsulin. Die Wahl des Insulins und des Therapieschemas wird individuell nach Alter, Lebensweise, Ressourcen und Technologieeinsatz getroffen.

Kurzwirksame Insuline

ULTRAKURZWIRKSAM · 2. GENERATION

Insulin Lispro (u200 / u100)

Wirkbeginn: 5–15 min · Peak: 30–70 min · Dauer: 2–5 h
Analoga: Humalog®, Liprolog®. u200: doppelte Konzentration (geringeres Volumen). Besonders für Pumpentherapie geeignet.

Mahlzeiteninsulin Pumpe geeignet
ULTRAKURZWIRKSAM · 2. GENERATION

Insulin Aspart

Wirkbeginn: 5–15 min · Peak: 30–90 min · Dauer: 3–5 h
NovoRapid®, Fiasp® (schnellere Variante mit Vitamin B3). Fiasp: noch rascherer Anstieg, ideal für Pumpentherapie und AID-Systeme.

Mahlzeiteninsulin Fiasp = ultraschnell
ULTRAKURZWIRKSAM · 2. GENERATION

Insulin Glulisin

Wirkbeginn: 5–15 min · Peak: 55–80 min · Dauer: 3–4 h
Apidra®. Schnellster Wirkbeginn der klassischen Analoga. Besonders geeignet bei postprandialer Hyperglykämie.

Mahlzeiteninsulin
ULTRAKURZWIRKSAM · NEXT GENERATION

Insulin Lispro-aabc (Lyumjev®)

Wirkbeginn: 1–3 min früher als Lispro · Dauer: 3–5 h
Next-Generation-Formulierung mit Treprostinil. Schnellster Wirkbeginn aktuell zugelassener Insuline. Für Pumpen und AID besonders relevant.

Next Generation AID-optimiert
KURZWIRKSAM · HUMANINSULIN

Normalinsulin (Human)

Wirkbeginn: 20–30 min · Peak: 1–3 h · Dauer: 4–8 h
Actrapid®, Huminsulin Normal®. Muss 20–30 min vor Mahlzeit gespritzt werden. Günstig. Für i.v.-Infusion bei DKA Standardtherapie.

i.v. DKA-Therapie Kostengünstig
INHALATIVES INSULIN

Insulin Technosphere (Afrezza®)

Wirkbeginn: 1–3 min · Peak: 12–15 min · Dauer: ~1–3 h
Inhalierbare Formulierung (in USA zugelassen; EU: nicht verfügbar). Extremschneller Wirkbeginn. KI bei Asthma/COPD. Für pädiatrischen Einsatz begrenzte Daten.

USA zugelassen EU nicht verfügbar

Langwirksame Insuline (Basalinsuline)

LANGWIRKSAM · 2. GENERATION

Insulin Glargin U100 (Lantus®)

Wirkbeginn: 1–3 h · Plateau: Weitgehend peaklos · Dauer: ~24 h
Goldstandard-Basalinsulin. Einmal täglich s.c. (meist abends). Geringes Hypoglykämierisiko im Vergleich zu NPH.

Basalinsulin 1× täglich
LANGWIRKSAM · 3. GENERATION

Insulin Glargin U300 (Toujeo®)

Wirkbeginn: 2–6 h · Dauer: ~36 h (länger als U100)
Dreifach konzentriert (300 U/ml). Gleichmäßigeres Profil als U100. Geringere Hypoglykämiegefahr. Zugelassen ab 6 Jahren (EU, 2021).

Basalinsulin Ab 6 J. zugelassen
LANGWIRKSAM · 3. GENERATION

Insulin Degludec (Tresiba®)

Wirkbeginn: 1–2 h · Dauer: > 42 h · HWZ: ~25 h
Ultralangwirksames Basalinsulin. Stabiles Plateau. Sehr geringes Nacht-Hypoglykämierisiko. Flexibler Injektionszeitpunkt (Abstand ≥ 8 h). Zugelassen ab 1 Jahr (EU).

Ultra-Langwirksam Ab 1 J. zugelassen
LANGWIRKSAM · KLASSISCH

Insulin Detemir (Levemir®)

Wirkbeginn: 1–2 h · Dauer: 16–24 h (dosisabhängig)
Fettsäure-gebundenes Analogon. Oft 2× täglich notwendig. Gewichtsneutral. In der Schwangerschaft gut untersucht. Zugelassen ab 2 Jahren.

Basalinsulin 1–2× täglich
MITTELWIRKSAM · HUMANINSULIN

NPH-Insulin (Protaphane® / Huminsulin Basal®)

Wirkbeginn: 2–4 h · Peak: 4–10 h · Dauer: 12–18 h
Ältestes Verzögerungsinsulin. Peakförmiges Profil → Hypoglykämierisiko nachts. Günstig. Noch gebräuchlich in Mischtherapien und bei mangelndem Zugang zu Analoga.

Klassisch Günstig
ULTRALANGWIRKSAM · NEXT GENERATION

Insulin Icodec (Awiqli®)

Wirkbeginn: Langsam · Dauer: ~7 Tage · Gabe: 1× wöchentlich s.c.
Neuestes Basalinsulin (EU-Zulassung 2023 für Erwachsene; pädiatrische Studien laufen). Wöchentliche Gabe revolutioniert Compliance. Titration in der Anfangsphase kritisch.

1× wöchentlich Erwachsene 2023

Insulintherapieschemata im Kindesalter

SchemaBeschreibungVorteileNachteile / Indikation
Intensivierte konv. Therapie (ICT / MDI)Basalinsulin 1–2× täglich + Bolusinsulin zu Mahlzeiten (+ Korrekturen). Mindestens 4 Injektionen/Tag.Flexible Mahlzeitenplanung; gute BZ-Kontrolle; Standard für Kinder ab SchulalterHohe Injektionsfrequenz; Schulung intensiv nötig
Konventionelle Therapie (CT)2× täglich Mischinsulin (NPH + Normal). Feste Mahlzeiten/Zeiten.Einfache Handhabung; wenige InjektionenStarre Lebensweise; höheres Hypo-Risiko; für pädiatrische Patienten meist nicht empfohlen
Insulinpumpentherapie (CSII)Kontinuierliche s.c. Insulininfusion (schnellwirksames Analogon). Mahlzeitenbolus manuell oder per AID.Beste Flexibilität; geringste Hypoglykämierate; besonders für Kleinkinder; SäuglingeTechnologieabhängigkeit; Katheterkomplikationen; höhere Kosten
AID (Automated Insulin Delivery)CGM + Pumpe + Algorithmus. Automatische Basalratenanpassung; ggf. automatischer Bolus (advanced hybrid)Bester TIR; geringste TBR; weniger Hypoglykämien auch nachts; weniger ManagementaufwandNoch höhere Kosten; Algorithmus muss verstanden werden; nicht für alle geeignet
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Diabetes-Technologie: CGM, Pumpen & AID-Systeme

Continuous Glucose Monitoring (CGM)

Dexcom G7

Tragedauer 10 Tage. Sensor am Arm oder Bauch. Alarm bei Hypo/Hyperglykämie. Wear-on-body Transmitter integriert (kein separater Sender). Kompatibel mit allen führenden AID-Systemen. Zugelassen ab 2 Jahren.

rtCGM Ab 2 J.

Abbott FreeStyle Libre 3 Plus

Tragedauer 15 Tage. Kleinster Sensor (9,4 mm). Echtzeit-Alarmfunktion (Libre 3). Kein Kalibrieren nötig. Günstigstes rtCGM auf dem Markt. Kompatibel mit AID-Systemen (z.B. Omnipod 5 via Libre 3 Plus).

rtCGM / isCGM

Medtronic Guardian 4 / Simplera

Tragedauer 7 Tage. Kalibration nicht mehr erforderlich. Nahtlose Integration in Medtronic MiniMed 780G AID-System. Guardian 4 auch ohne Bolus-Bestätigung im MiniMed 780G.

Medtronic-AID

Eversense E3 (implantierbar)

Tragedauer 180 Tage. Subkutaner Implantatsensor. Transmitter extern (täglich aufladen). Besonders für Patienten geeignet, die keine adhäsiven Sensoren vertragen. Alle 6 Monate ärztliche Implantation.

Implantierbar 180 Tage

Insulinpumpen (CSII)

Omnipod 5 (Insulet)

Schlauchlose Patch-Pumpe. Patch-Format: kein Katheter-Schlauch. Kompatibel mit Dexcom G6/G7 und FreeStyle Libre 3 Plus. Integriertes AID-System (Omnipod 5 AID). Besonders für Kinder und aktive Jugendliche geeignet.

Schlauchlos AID-fähig

Medtronic MiniMed 780G

Fortschrittlichstes geschlossenes Loop-System (Dual-Hormone geplant). Auto-Basalrate + Auto-Bolus-Funktion. Ziel-BZ einstellbar (100–120 mg/dl). Guardian-4-CGM integriert. Weltweit meistgenutzte AID-Pumpe im Kindesalter.

MiniMed 780G Advanced Hybrid

Tandem t:slim X2 / Mobi

Control-IQ-Algorithmus (hybrides closed loop). Kompatibel mit Dexcom G6/G7. t:slim Mobi: kleinste schlauchgebundene Pumpe weltweit. Steuerung per Smartphone. Control-IQ+ (2024) mit erweitertem Auto-Bolus.

Control-IQ

Ypsomed mylife YpsoPump + CamAPS FX

Ypsomed-Pumpe mit dem CamAPS FX-Algorithmus (Cambridge, UK). Als einziges AID-System für Kinder ab 1 Jahr und Schwangerschaft zugelassen. Gut validierte pädiatrische Daten.

Ab 1 J. Schwangerschaft

AID-Systeme – Übersicht & Vergleich

SystemPumpeCGMAlgorithmusAltersfreigabeBesonderheit
MiniMed 780GMedtronicGuardian 4Advanced Hybrid Loop (Auto-Bolus)ab 7 J. (EU)Automatischer Korrekturbolus; einstellbarer BZ-Zielwert
Control-IQ (t:slim X2)TandemDexcom G6/G7Hybrid Closed Loopab 6 J.Sleep-Mode nachts; Smartphone-Steuerung
Omnipod 5Insulet (schlauchlos)Dexcom G6/G7; FreeStyle Libre 3 PlusSmartAdjust (Hybrid)ab 2 J.Keine Schläuche; Smartphone-Controller
CamAPS FXYpsomed YpsoPumpDexcom G6/G7MPC-Algorithmus (Cambridge)ab 1 J.Einziges AID ab 1 Jahr + Schwangerschaft zugelassen
DIY-Systeme (OpenAPS / Loop)Diverse (ältere Pumpen)Dexcom / LibreOpen-Source (OpenAPS, Loop)Keine offizielle ZulassungCommunity-getrieben; sehr individualisierbar; nicht CE-zertifiziert

Versorgungsrealität in Deutschland: CGM ist seit 2016 GKV-Kassenleistung für alle T1D-Kinder. AID-Systeme sind seit 2023 verstärkt als Kassenleistung anerkannt (individuelle Genehmigung durch Krankenkasse). Laut DPV-Register 2023 nutzen bereits >70 % der Kinder mit T1D in Deutschland eine CGM-Technologie, >60 % eine Insulinpumpe.

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Neue Therapien, Immunmodulation & Forschungsansätze

Teplizumab – Prävention vor Manifestation

Meilenstein 2022/2023: Teplizumab (Tzield®) ist ein anti-CD3-Antikörper (Fc-modifiziertes Anti-CD3 IgG1), der die T-Zell-vermittelte Beta-Zell-Zerstörung bremst. FDA-Zulassung November 2022 für Stadium-2-T1D-Patienten ab 8 Jahren – als erste Therapie zur Verzögerung des T1D-Ausbruchs um median ~3 Jahre. EMA-Zulassung in Vorbereitung. Einmalige 14-tägige i.v.-Kurbehandlung.

Teplizumab (Tzield®)

Anti-CD3-Antikörper (OKT3 Fc-modifiziert). Moduliert autoreaktive T-Zellen → schützt Beta-Zellen. Stadium-2-T1D: Verzögerung klinische Manifestation um ~2–3 Jahre. Therapiedauer: 14 Tage i.v.

FDA zugelassen 2022 Stadium 2 T1D

Otelixizumab / Visilizumab

Weitere Anti-CD3-Antikörper in Phase-2/3-Studien. Ähnlicher Wirkmechanismus wie Teplizumab. Noch kein Zulassungsstatus. Ziel: Erhalt der Restinsulinproduktion bei Neudiagnose.

Phase 2/3

Abatacept (CTLA4-Ig)

Ko-stimulations-Blocker (T-Zell-Aktivierungs-Hemmung via CD80/86). Bei Neudiagnose T1D: Verlangsamung des C-Peptid-Verlusts in Studien. Subkutane Gabe. CTLA4-Ig-Studie bei Hochrisiko-Kindern (TrialNet CTLA4-Ig).

Phase 2 Studien

Anti-Thymocyte Globulin (ATG)

Polyklonale Antikörper gegen T-Zellen. Kombination ATG + G-CSF in Phase-2-Studien (STOP-T1D). Myelosuppressiv; erfordert Überwachung. Ziel: Treg-Induktion und Immuntoleranz.

Phase 2

Rituximab (Anti-CD20)

B-Lymphozyten-depletierender Antikörper. Verzögert C-Peptid-Verlust bei Neudiagnose (TrialNet-Studie). B-Zellen als Antigen-präsentierende Zellen bei T1D-Pathogenese. Effekt nicht dauerhaft.

Studienphase

Verapamil (Kalziumkanal-Blocker)

Überraschender Befund: Verapamil reduziert Thioredoxin-interacting protein (TXNIP) → schützt Beta-Zellen. Randomisierte Studie (PRISM-1) bei Neudiagnose T1D: erhöhter C-Peptid-Spiegel nach 1 Jahr. Orales Präparat, bekanntes Sicherheitsprofil.

Klinische Studie positiv

Adjuvante Nicht-Insulin-Therapien bei T1D

GLP-1-Agonisten (Semaglutid, Liraglutid)

Off-label bei T1D: Senkung von Körpergewicht + Insulindosis + postprandiale Glukose. Cave: erhöhtes DKA-Risiko! SCALE-T1D-Studien laufen. Nicht zugelassen für T1D, aber in Einzelfällen eingesetzt. Besonders bei T1D + Übergewicht (Double Diabetes).

Off-label T1D

SGLT2-Inhibitoren (Dapagliflozin, Empagliflozin)

Dapagliflozin: EMA-Zulassung 2019 für T1D-Erwachsene (als Ergänzung zu Insulin). In EU als Adjuvans bei T1D Erwachsene mit BMI ≥ 27. Cave: euglykämische DKA-Risiko (höher als bei T2D)! Nur mit Schulung und Ketone-Monitoring. Pädiatrisch: keine Zulassung. DKA-Risiko beachten

Beta-Zell-Transplantation / Inselzelltransplantation

Allotransplantation von Langerhans-Inseln (Edmonton-Protokoll). Insulinfreiheit in ~50 % nach 5 Jahren. Lebenslange Immunsuppression nötig. Reserviert für Erwachsene mit schwersten Hypoglykämieproblemen. Forschung: Stammzell-abgeleitete Beta-Zellen (Vertex Pharmaceuticals VX-880; Phase-1-Studie mit Insulinfreiheit 2023).

VX-880 Phase 1

Geschlossene Beta-Zell-Kapseln (Encapsulation)

Bioartifizielle Pankreas-Devices: Beta-Zellen in Schutzkapseln, die Immunreaktion vermeiden. ViaCyte PEC-Direct / PEC-Encap in Phase-1/2. Ziel: Immunsuppressionsfreie Beta-Zell-Ersatztherapie. Noch keine klinische Reife.

Phase 1/2

Prävention: BCG-Impfung / Nicotinamid

BCG-Impfung (Bacillus Calmette-Guérin): Kontroverse Daten zur T1D-Prävention. Nicotinamid (ENDIT-Studie): kein signifikanter Präventionseffekt. Vitamin-D-Supplementierung: möglicher präventiver Effekt in Risikopopulationen (TRIGR-Studie). Aktuell keine etablierte pharmakologische Prävention außer Teplizumab.

Forschung laufend

Dual-Hormon-AID (Insulin + Glukagon)

Bihormonale künstliche Pankreas-Systeme: automatische Glukagon-Mikrodosen bei drohender Hypoglykämie. Mehrere Systeme in Phase-3-Studien (Beta Bionics iLet, Inreda). Problemstellung: stabile Glukagonformulierung. Vorteil: nahezu vollständige Hypoglykämie-Prävention möglich.

Bihormonale AID
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Monitoring, Zielwerte & Langzeitkomplikationen

CGM-Zielwerte (ISPAD / AGP-Report)

MetrikZielwertHohe PrioritätKlinische Bedeutung
Time in Range (TIR) 70–180 mg/dl> 70 % (≥ 16,8 h/Tag)> 70 %Primärer CGM-Outcomeparameter; korreliert mit HbA1c und Komplikationsrisiko
Time below Range (TBR) < 70 mg/dl< 4 %< 1 % (<54 mg/dl)Sicherheitsparameter; Level-2-Hypo immer dringend behandeln
Time above Range (TAR) > 180 mg/dl< 25 %< 5 % > 250 mg/dlHyperglykämie-Belastung; Komplikationsrisiko korreliert mit TAR
HbA1c< 7,0 % (53 mmol/mol)Individuell; kein absolutes ZielAlle 3 Monate; Langzeitkontrolle; Einschränkungen bei Hämoglobinopathie
Glukose-Variabilität (CV)< 36 %< 36 %Hohe Variabilität → erhöhtes Hypo- und Hyper-Risiko; AID reduziert CV effektiv

Langzeitkomplikationen – Screening

KomplikationScreening-MethodeBeginn ScreeningFrequenz
Diabetische NephropathieAlbumin-Kreatinin-Quotient (Morgenurin)Nach 5 Jahren T1D oder ab 11. Lj.Jährlich
Diabetische RetinopathieFunduskopie (Pupillenerweiterung) / RetCamNach 5 Jahren T1D oder ab 11. Lj.Jährlich (oder nach Befund früher)
Diabetische NeuropathieMonofilament-Test, Vibrationssensibilität, NLGAb 11. Lj. oder 5 J. DM-DauerJährlich
Kardiovaskuläres RisikoBlutdruck, Lipide, BMI, RauchenBei DiagnoseJährlich
Autoimmune ThyreoiditisTSH, fT4, TPO-AK, SchilddrüsensonographieBei DiagnoseJährlich
ZöliakieAnti-tTG-IgA + IgA-GesamtBei DiagnoseAlle 2 Jahre
Psychologisches WohlbefindenPHQ-A, PAID-C (Diabetes Distress), LebensqualitätBei Diagnose & jährlichJährlich / bei Bedarf
KnochendichteDXABei klinischer Indikation (schlechte Kontrolle, lange Dauer)Individuell
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Expertenzentren & Spezialisten

Die Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes erfordert ein multidisziplinäres Team aus pädiatrischen Diabetologen, Diabetesberaterinnen, Ernährungsfachkräften und Psychologen. Die folgenden Zentren sind im DPV-Register (Deutsches Pädiatrisches Diabetesregister) oder vergleichbaren Netzwerken verankert.

Hinweis: Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Aktuelle zertifizierte DDG-Behandlungseinrichtungen unter www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de und DPV-Register unter www.d-p-v.eu. Personalveränderungen möglich.

🇩🇪 Deutschland
Prof. Dr. med. Thomas Danne
Pädiatrische Diabetologie & Endokrinologie
Kinderkrankenhaus auf der Bult
Hannover
HANNOVER · Niedersachsen
T1D-Therapie, AID-Systeme, CGM, DPV-Register, ISPAD-Vorstand, internationale Leitlinien, Teplizumab-Studien
AIDDPVISPAD
Prof. Dr. med. Andreas Neu
Pädiatrische Diabetologie
Universitätsklinikum Tübingen
Klinik für Kinder- und Jugendmedizin
TÜBINGEN · Baden-Württemberg
T1D, T2DM Jugendliche, CGM, AID, DPV-Register, Insulin-Therapieoptimierung, Adipositas-assoziierter Diabetes
T1DDPVCGM/AID
Prof. Dr. med. Reinhard Holl
Pädiatrische Diabetologie & Versorgungsforschung
Universität Ulm
Institut für Epidemiologie und Medizinische Biometrie (DPV-Zentrale)
ULM · Baden-Württemberg
DPV-Register-Leiter (≥600 Zentren, >200.000 Patienten), Versorgungsforschung T1D, Langzeitoutcomes, Leitlinienentwicklung
DPV-ZentraleVersorgungsforschung
Prof. Dr. med. Martin Wabitsch
Pädiatrische Endokrinologie & Diabetologie
Universitätsklinikum Ulm
Sektion Pädiatrische Endokrinologie
ULM · Baden-Württemberg
T2DM bei Jugendlichen, MODY, monogene Diabetesformen, Insulinsekretionsstörungen, Adipositas-Diabetes
MODYT2DMAdipositas
Prof. Dr. med. Olga Kordonouri
Pädiatrische Diabetologie
Kinderkrankenhaus auf der Bult
Hannover
HANNOVER · Niedersachsen
T1D Kleinkinder, AID-Systeme (CamAPS FX, MiniMed 780G), Insulin-Dosierungsstrategien, Pumpentechnik, DPV
KleinkinderAIDDPV
Prof. Dr. med. Peter Achenbach
Immunologie & Prävention T1D
Helmholtz Zentrum München
Institut für Diabetesforschung (IDF)
MÜNCHEN · Bayern
T1D-Prädiktion, Autoantikörper-Diagnostik, Freder1k-Studie (Frühscreening), Teplizumab-Prävention, HLA-Typisierung, BABYDIAB-Kohorte
PräventionAutoantikörperFREDER1K
Prof. Dr. med. Anette-Gabriele Ziegler
Diabetesforschung & Immunologie
Helmholtz Zentrum München
Institut für Diabetesforschung (Direktorin)
MÜNCHEN · Bayern
T1D-Prävention, BABYDIAB/BABYDIET-Kohorte, Autoimmundiagnostik, FREDER1K-Studie, Teplizumab, Frühmanifestations-T1D, internationale Forschung
IDF-DirektorinBABYDIABPrävention
PD Dr. med. Karin Lange
Pädiatrische Diabetologie & Psychologie
Medizinische Hochschule Hannover
Klinik für Pädiatrische Nieren-, Leber- und Stoffwechselerkrankungen
HANNOVER · Niedersachsen
T1D-Schulung (DELFIN, KAMEL, Flex), Psychologische Diabetologie, Lebensqualität, ISPAD Guidelines Psychologie
SchulungPsychologieISPAD
Prof. Dr. med. Jan Bollow
Pädiatrische Diabetologie
Klinikum Augsburg
Klinik für Kinder- und Jugendmedizin
AUGSBURG · Bayern
T1D, Insulinpumpen-Therapie, CGM, AID, DPV-Zentrum, SWEET-Netzwerk, Transition
CGM/AIDSWEET
Dr. med. Nicolin Datz
Pädiatrische Diabetologie
Kinderkrankenhaus auf der Bult
Hannover
HANNOVER · Niedersachsen
T1D, AID-Systeme, Closed Loop Forschung, Insulintherapie-Optimierung, DPV, pädiatrische Studien
AIDClosed Loop
Prof. Dr. med. Christoph Kröger
Pädiatrische Diabetologie
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Klinik für Kinder-Endokrinologie und -Diabetologie
BERLIN
T1D, Insulinpumpen, CGM/AID, neonataler Diabetes, MODY, Langzeitbetreuung, Transitionsambulanz
T1DNeonat. DMMODY
Prof. Dr. med. Erwin Böttcher
Pädiatrische Diabetologie & Stoffwechsel
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)
Klinik für Kinder- und Jugendmedizin
HAMBURG
T1D, Insulintherapie, CGM, AID, Schulungsprogramme (KICK), Langzeitkomplikationen
T1DSchulungAID
🇦🇹 Österreich
Univ.-Prof. Dr. Edith Schober
Pädiatrische Diabetologie
Medizinische Universität Wien
Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde (AKH)
WIEN
T1D, CGM, AID, pädiatrisches DM-Register Österreich, ISPAD, Insulinpumpen, Langzeitkomplikationen
T1DISPADAID
Prof. Dr. Birgit Rami-Merhar
Pädiatrische Diabetologie
Medizinische Universität Wien
Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde
WIEN
T1D, Insulinpumpentherapie, CGM/AID, SWEET-Netzwerk, Transition, österreichisches Diabetesregister, Lebensqualität
T1DSWEETTransition
Univ.-Prof. Dr. Daniel Weghuber
Pädiatrische Endokrinologie & Diabetologie
Paracelsus Medizinische Privatuniversität
Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde, Salzburg
SALZBURG
T1D, T2DM Jugendliche, Adipositas, GLP-1-RA, AID, ECOG, Semaglutid-Studien
T1DT2DMGLP-1
Dr. med. Thomas Waldhoer
Pädiatrische Epidemiologie & Diabetes-Register
Medizinische Universität Wien
Institut für Medizinische Statistik
WIEN
T1D-Epidemiologie Österreich, Inzidenz-Analyse, Registerdaten, Langzeitoutcomes, DM-Prävention
EpidemiologieRegister
Prim. Dr. Sabine Hofer
Pädiatrische Diabetologie & Endokrinologie
Medizinische Universität Innsbruck
Univ.-Klinik für Pädiatrie
INNSBRUCK · Tirol
T1D, CGM, AID, Insulinpumpen, ISPAD, Schulungsprogramme, Westösterreich-Versorgung, SWEET
T1DISPADCGM
🇨🇭 Schweiz
Prof. Dr. med. Dagmar l'Allemand
Pädiatrische Endokrinologie & Diabetologie
Ostschweizer Kinderspital
St. Gallen
ST. GALLEN
T1D, Insulintherapie, CGM, AID, Schulungsprogramme, Prader-Willi, Ostschweizer Referenzzentrum
T1DSchulungAID
Dr. med. Claudine Pélisson / Diabetologie-Team UKBB
Pädiatrische Diabetologie
Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB)
BASEL
T1D, CGM, AID, Insulinpumpe, Kleinkinddiabetes, Schulung UKBB, SWEET-Netzwerk
T1DSWEETKleinkind
Prof. Dr. med. Roger Lehmann
Endokrinologie & Diabetologie
Kinderspital Zürich – Eleonorenstiftung
Diabetologie
ZÜRICH
T1D, Insulinpumpen, CGM/AID, Beta-Zell-Transplantation, Advanced Hybrid Loop, Langzeitkomplikationen
T1DBeta-Zell-TxAID
Dr. med. Primus Mullis
Pädiatrische Endokrinologie & Diabetologie
Inselspital Bern
Universitätsklinik für Kinderheilkunde
BERN
T1D, MODY, neonataler Diabetes, Wachstum bei T1D, CGM, Insulin-Therapie
T1DMODYNeonat. DM
Dr. med. Belinda Lenherr-Tabin
Pädiatrische Diabetologie
CHUV Lausanne
Service d'endocrinologie et diabétologie pédiatrique
LAUSANNE · Vaud
T1D, CGM/AID, Westschweizer Diabeteszentrum, SWEET, Schulung, Transition ins Erwachsenenalter
T1DSWEETTransition
Dr. Urs Zumsteg / Diabetesteam UKBB
Pädiatrische Endokrinologie & Diabetologie
Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB)
BASEL
T1D, AID-Systeme, MODY, Turner-Syndrom, Wachstum bei DM, Transition, Langzeitkomplikationen
T1DMODYAID

Register, Fachgesellschaften & Selbsthilfe

📊

DPV-Register (D)

Deutsches Pädiatrisches Versorgungsregister. >200.000 Patienten, >600 Zentren. Qualitätssicherung, Leitliniengrundlage. www.d-p-v.eu

🌍

ISPAD

International Society for Pediatric and Adolescent Diabetes. Leitlinien, Kongressorganisation, weltweites Netzwerk. www.ispad.org

🇪🇺

SWEET (Europa)

Better control in Pediatric and Adolescent diabeteS: Working to crEate CEnTers of Reference. EU-Netzwerk pädiatrischer Diabeteszentren. www.sweet-project.eu

🧬

FREDER1K-Studie

Deutschlandweites T1D-Frühscreening bei Kindern (Helmholtz München). Autoantikörper-Testung + Prävention. Einschreibung über Kinderarzt. www.freder1k.de

💙

Deutscher Diabetiker Bund

Selbsthilfeorganisation. Beratung, Interessenvertretung, Typ-1-Selbsthilfegruppen. www.diabetikerbund.de

👨‍👩‍👧

Bundeselternverband BVKJ-Diabetes

Elternberatung, Schulungsprogramme für Familien (DELFIN, KAMEL), Alltags-Tipps, Peer-Kontakt. Über Diabeteszentrum vermittelbar.

🇦🇹

Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG)

Fachgesellschaft Österreich. Leitlinien, Weiterbildung, Register. Arbeitsgruppe Pädiatrische Diabetologie. www.oedg.at

🇨🇭

Schweizerische Diabetes Gesellschaft (SDG)

Fachgesellschaft Schweiz. Leitlinien, Patienteninformation, Zertifizierung Diabeteszentren. www.diabetesgesellschaft.ch