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Grundlagen & Pathophysiologie

RASopathien sind eine Gruppe von Entwicklungssyndromen, die durch aktivierende Keimbahnmutationen in Genen des RAS/MAPK (Mitogen-Activated Protein Kinase)-Signalweges entstehen. Dieser Signalweg reguliert fundamentale zelluläre Prozesse wie Proliferation, Differenzierung, Überleben und Migration. Eine konstitutive (permanente) Überaktivierung führt zu den charakteristischen Befunden: Herzfehler, Kleinwuchs, faziale Dysmorphien, Lernschwäche und erhöhtes Malignomrisiko.

RASopathien sind die häufigste Gruppe monogener Syndrome mit Herzfehlern: Noonan-Syndrom allein betrifft ~1 : 1.000–2.500 Neugeborene und ist damit nach dem Down-Syndrom das häufigste syndromale Herzfehlbildungssyndrom. Alle RASopathien zusammen betreffen schätzungsweise ~1 von 1.000 Lebendgeborenen.

Der RAS/MAPK-Signalweg

Rezeptor-RTK
Wachstumsfaktor-Bindung
PTPN11/SHP2
SOS/RAS
GTP-Beladung von RAS
SOS1 · KRAS
RAF (CRAF/BRAF)
Serin/Threonin-Kinase
RAF1 · BRAF
MEK1/2
Dual-spez. Kinase
MAP2K1/2
ERK1/2
Downstream-Effektor
MAPK1/3
Zellkern
Proliferation · Differenz.
Transkription
1 : 1.000
Alle RASopathien zusammen – häufigste Gruppe monogener Herzfehlbildungssyndrome
> 20
Gene im RAS/MAPK-Pathway, deren Mutationen RASopathie-Phänotypen erzeugen
~80 %
Noonan-Patienten haben kongenitalen Herzfehler (häufigste: Pulmonalstenose ~50 %)
~50 %
PTPN11-Mutationen bei Noonan-Syndrom – häufigste genetische Ursache

Gain-of-Function vs. Loss-of-Function

Alle RASopathien: Gain-of-Function (GoF) Mutationen → konstitutive MAPK-Aktivierung. Ausnahme: NF1 Loss-of-Function → fehlendes Neurofibromin (GTP-ase-aktivierendes Protein) → RAS unkontrolliert aktiv.

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Keimbahn vs. Somatisch

RASopathien: Keimbahnmutationen → systemischer Phänotyp. Somatische Mutationen derselben Gene → Malignome (KRAS bei NSCLC, BRAF bei Melanom, PTPN11 bei JMML). Verständnis des Weges = Basis für zielgerichtete Therapien.

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Pathway-Vernetzung

RAS/MAPK interagiert mit PI3K/AKT/mTOR-Pathway. Komplexes Netzwerk mit Feedback-Schleifen. MEK-Inhibitoren (Trametinib) blockieren den Pathway unterhalb von RAS und RAF.

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Therapeutische Revolution

MEK-Inhibitoren (Trametinib, Cobimetinib) und RAF-Inhibitoren in klinischen Studien für RASopathien. Trametinib: FDA-Zugelassen für NF1-assoziierte Plexiformneurofibrome (2020 für ≥ 2 Jahre). Neue Ära der zielgerichteten Therapie.

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RASopathien – Klinische Übersicht

Noonan-Syndrom (NS)

PTPN11 (~50%) · SOS1 · RAF1 · RIT1 · KRAS · NRAS · RRAS · LZTR1

Häufigste RASopathie. Herzfehler (Pulmonalstenose!), Kleinwuchs, Hypertelorismus, tief sitzende Ohren, Kryptorchismus. Variable Expressivität. AD (meist de novo). Gute Lebenserwartung.

Noonan-Syndrom mit mult. Lentigines (NSML / LEOPARD)

PTPN11 (~90%) · RAF1 · BRAF

Lentigines (multiple kleine Melanome der Haut), EKG-Anomalien, Hypertelorismus, Pulmonalstenose, Genitalhypoplasie, Wachstumsverzögerung, Schwerhörigkeit. Früher: LEOPARD-Syndrom.

CFC-Syndrom (Cardio-Facio-Cutaneous)

BRAF (~75%) · MAP2K1 · MAP2K2 · KRAS

Schwerer Phänotyp: ausgeprägte Herzfehler, Ektodermal-Anomalien (Ichthyosis, krauses Haar, Augenbrauen fehlen), deutliche Lernschwäche, Kleinwuchs. Meist de novo.

Costello-Syndrom

HRAS (~85%, G12S/G12A)

Grobe Gesichtszüge, lockere Haut, Papillome (Nase, Mund, Anal), Kardiomyopathie, schwere Lernschwäche. Erhöhtes Malignomrisiko (Rhabdomyosarkom, Blasenkarzinom)! Fast alle de novo.

Neurofibromatose Typ 1 (NF1)

NF1 (Neurofibromin, Loss-of-Function)

Café-au-lait-Flecken, Lisch-Knötchen, Neurofibrome, Plexiformneurofibrome, Optikusgliom, Skelett-Anomalien, Lernprobleme. JMML-Risiko. AD; 50 % de novo.

Legius-Syndrom (NF1-ähnlich)

SPRED1

NF1-ähnliche Café-au-lait-Flecken + Freckles, aber ohne Neurofibrome, Lisch-Knötchen oder ZNS-Tumoren. Leichter Phänotyp. Wichtige DD zu NF1!

CAPNT (Noonan-ähnlich mit Loose Anagen Hair)

SHOC2

Noonan-Phänotyp + charakteristisches lockeres Anagen-Haar (Haare leicht ausreißbar) + Herzfehler (AVSD, Ductus). Hyperaktivität, Lernschwäche.

Watson-Syndrom

NF1 (spezifische Varianten)

Pulmonalstenose + Café-au-lait-Flecken + milde Lernschwäche. NF1-Spektrum. Betrachtet als Teil des NF1-Spektrums.

Noonan-Syndrom – Klinisches Spektrum im Detail

Das Noonan-Syndrom (NS) ist die häufigste RASopathie und zeigt eine erhebliche klinische Variabilität – von schwer betroffenen Kindern mit multiplen Fehlbildungen bis zu kaum auffälligen Erwachsenen, die erst durch die Diagnose eines Kindes erkannt werden. Das Spektrum reicht von neonatalem Hydrops fetalis bis zur gelegentlichen Zufallsdiagnose im Erwachsenenalter.

Noonan-Syndrom mit multiplen Lentigines (NSML/LEOPARD)

NSML (Noonan Syndrome with Multiple Lentigines) = früher LEOPARD-Syndrom: L-Lentigines, E-EKG-Anomalien, O-Okulärer Hypertelorismus, P-Pulmonalstenose, A-Abnorme Genitalien, R-Retardierung, D-Deafness. Obwohl PTPN11-Mutationen (wie NS) zugrunde liegen, handelt es sich um loss-of-function-Mutationen (im Gegensatz zu GoF bei klassischem NS). Lentigines oft nicht bei Geburt, entwickeln sich ab 4–5 Jahren.

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Klinische Symptome

Faziale Dysmorphien & äußere Zeichen

NOONAN-SYNDROM – TYPISCHE FAZIES

  • Hypertelorismus (weit gestellte Augen)
  • Epikanthus inversa / Ptose (Lidfall)
  • Tief sitzende, posteriore Ohren (gedrehte Helix)
  • Kurzer Hals, Pterygium colli (~25 %)
  • Tiefer posteriorer Haaransatz
  • Flache Nasenwurzel, bulbige Nasenspitze
  • Hochgewölbter Gaumen, Mikrogenie
  • Kubitusvarum oder -valgus
  • Fehlposition Brustwarzen

CFC/COSTELLO – SCHWERER PHÄNOTYP

  • Gröbere Gesichtszüge (CFC, Costello)
  • Krauses, spärliches Haar (CFC)
  • Fehlende / sehr spärliche Augenbrauen + Wimpern (CFC)
  • Tiefe Handfurchen, lockere Haut (Costello)
  • Warzen/Papillome: Nase, Mund, perianal (Costello)
  • Akanthosis nigricans (Costello)
  • Ich(th)yosis, Keratose (CFC)
  • Ulnardeviation der Finger (CFC)

NSML (LEOPARD) – HAUTSYMPTOME

  • Multiple Lentigines (kleine < 5 mm braun-schwarze Flecken): Gesicht, Hals, Stamm
  • Café-au-lait-Flecken möglich
  • Axilläres und inguinales Freckling
  • Lentigines erscheinen ab 4–5 Jahren, nehmen zu
  • Ähnlich wie Lentigines maligna (DD!)

NF1 – DERMATOLOGISCHE ZEICHEN

  • ≥ 6 Café-au-lait-Flecken (> 5 mm präpubertal; > 15 mm postpubertal)
  • Axilläres oder inguinales Freckling (Crowe-Zeichen)
  • Neurofibrome (kutane, subkutane, plexiforme)
  • Plexiformneurofibrome: oft kongenital, potentiell maligne Transformation
  • Lisch-Knötchen (Irishamartome, sichtbar ab ~6–7 Jahren)

Kardiale Befunde bei RASopathien

RASopathieHäufigkeitTypische HerzfehlerBesonderheiten
Noonan-Syndrom~80 %Pulmonalstenose (~50 %), AVSD (PTPN11!), HCM (~20 %), ASD, VSD, PDAHCM besonders bei RAF1-Mutationen. AVSD häufiger bei PTPN11. Pulmonalstenose: häufig valvulär, dysplastisch (schlechtes Ansprechen auf Ballondilatation!)
NSML/LEOPARD~85 %Hypertrophische Kardiomyopathie (HCM) >> Pulmonalstenose; EKG-Anomalien (WPW, AV-Block)HCM häufigste Manifestation; kann progredient und schwer sein; EKG obligat bei jeder Vorstellung
CFC-Syndrom~75 %Pulmonalstenose, HCM, ASD, VSD, AortenstenoseHäufig komplexe Herzfehler; BRAF-Mutationen besonders mit HCM; schlechtere Prognose
Costello-Syndrom~65 %Pulmonalstenose, HCM, Aortenstenose, KardiomyopathieArrhythmien häufig (atriale Tachykardie, ventrikuläre Extrasystolen); Kardiologisches Monitoring essenziell
NF1~2–3 %Pulmonalstenose, AortenstenoseVaskuläre Dysplasien (Nierenarterienstenose → Hypertonie!); Aortenaneurysmen möglich

Wachstum, Pubertät & Endokrinologie

WACHSTUM & KLEINWUCHS

  • Kleinwuchs bei ~70 % der Noonan-Patienten
  • Geburtsgewicht/-länge oft im Normbereich oder leicht erniedrigt
  • Wachstumsdefizit postnatal zunehmend
  • Mittlere Endgröße ohne Therapie: Männer ~162 cm; Frauen ~152 cm
  • IGF-1 oft niedrig-normal (partial GH insensitivity)
  • GH-Test: Antwort variabel (oft nicht klar GH-mangelhaft)
  • SOS1-Mutationen: weniger Kleinwuchs; RIT1: häufiger HCM

PUBERTÄT & FERTILITÄT

  • Kryptorchismus: ~60–80 % der Jungen (bilateral ~30 %)
  • Orchidopexie früh (bis 1 Jahr) empfohlen
  • Hodenfehlfunktion: Hypogonadismus, reduzierte Fertilität
  • Pubertätseinleitung verzögert (~50 %);
  • Menarche bei Mädchen normal bis leicht verzögert
  • Fertilität bei Frauen meist erhalten; Männer oft eingeschränkt
  • Gynäkomastie bei Jungen häufig

Neurologie, Kognition & Verhalten

🧠

Intelligenz & Lernen

Noonan: Normaler IQ bis milde Lernschwäche (IQ-Mittelwert ~100, aber +/−15). CFC/Costello: moderate bis schwere Lernschwäche. Sprachentwicklungsverzögerung häufig. Frühförderung wichtig!

💬

Sprachentwicklung

Häufige Sprachentwicklungsverzögerung (expressiv > rezeptiv). Logopädie früh einleiten. Hörtest obligat (Schallleitungsstörung bei Mittelohrkatarrh häufig). Stottern möglich.

😟

ADHS & Verhalten

ADHS bei ~30–40 % (Noonan). Soziale Kommunikationsprobleme. Autismus-Spektrum (CFC, Costello häufiger). Angststörungen. Obsessiv-kompulsive Züge möglich. Verhaltenstherapie hilfreich.

🫀

Motorische Entwicklung

Motorische Verzögerung früh (Hypotonie). Koordinationsprobleme. Physiotherapie frühzeitig. Schule: oft Hilfs- oder Integrationsbedarf. Praxisplanung, Feinmotorik-Förderung.

👁️

Ophthalmologie

Ptose (Lidfall): häufig; korrigierende OP bei Amblyopierisiko. Strabismus. Refraktionsanomalien (Myopie, Astigmatismus). Nystagmus. Augenhintergrund (NF1: Lisch-Knötchen). Ophthalmologie-Überwachung.

👂

Hören

Mittelohrkatarrh häufig (Tubenventilationsstörung) → konduktive Schwerhörigkeit. Rezidivierende Otitiden. Hörtests regelmäßig. Paukenröhrchen bei rezidivierenden Otitiden. NF1: keine typische Schwerhörigkeit (außer akust. Neurinom bei NF2).

Hämatologie & Malignomrisiko

Wichtig: Erhöhtes Malignomrisiko bei RASopathien! Das Risiko variiert stark nach Syndrom und Genotyp. Regelmäßige hämatologische Überwachung und Kenntnis der Tumorentitäten sind essenziell.

RASopathieHämatologische BefundeMalignomrisikoÜberwachung
Noonan (PTPN11 GoF)Transiente myeloproliferative Erkrankung (TME) im Säuglingsalter; Thrombozytopenie; verlängerte PTT (Faktor-XI-Mangel ~50 %)JMML-ähnlich (transient); sehr selten echte JMML; leicht erhöhtes ALL-RisikoBB bei Fieber; Gerinnungsdiagnostik vor OP
Noonan (somatisch PTPN11)JMML (juvenile myelomonozytäre Leukämie) – nicht Keimbahn, sondern somatischJMML: hoch (~35 % aller JMML haben PTPN11-somatische Mutation)Differenzialblutbild, Knochenmarkpunktion bei Verdacht
NF1Myeloide MalignomeJMML (NF1-JMML ~15 % aller JMML); Gliome; Maligne periphere Nervenscheidentumoren (MPNST ~8–13 %); Leukämien; PhäochromozytomJährliche klinische Untersuchung; MRT bei neurologischen Symptomen; Augenuntersuchung
Costello (HRAS)Keine spezifischen hämatologischen Anomalien10–15 % lifetime: Rhabdomyosarkom (häufigste!), Blasenkarzinom, Neuroblastom. Höchstes Malignomrisiko aller RASopathien!Jährliche Abdomen-Sono + Urinanalyse; Ophthalmologie
CFC (BRAF)Selten hämatologische AuffälligkeitenLeukämien (selten); Hirntumoren beschriebenKlinische Überwachung; bei Symptomen Bildgebung
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Diagnostik

Noonan-Syndrom-Score (van der Burgt 1994)

Klinischer Diagnose-Score: Der van-der-Burgt-Score bewertet 6 Bereiche mit 1 (typisch) oder 2 (vereinbar) Punkten. Diagnose NS: typische Fazies (A) + ≥ 2 weitere Bereiche = Score ≥ 3 Punkte, oder vereinbare Fazies + ≥ 3 weitere. Bereiche: (A) Fazies, (B) Herzfehler, (C) Körpergröße, (D) Thoraxwand (Pectus excavatum/carinatum), (E) Familienanamnese, (F) Weitere (Kryptorchismus, mentale Retardierung, Lymphangiekatasen, Gerinnungsstörung).

  1. Klinische Untersuchung & van-der-Burgt-Score Systematische Beurteilung aller typischen Merkmale. Fazies-Bewertung. Herzuntersuchung. Körpermaße (Größe, Gewicht). Tanner-Stadien. Hoden-Palpation beim Jungen (Kryptorchismus!). Hautbefund (Lentigines, Café-au-lait, Neurofibrome). Eltern untersuchen (variable Expressivität!).
  2. Echokardiographie (obligat!) Pulmonalstenose (valvulär, supravalvulär, subvalvulär), HCM (Wanddicke, Obstruktion), Septumdefekte, PDA. Myokardfunktion (diastolisch bei HCM). Bei dysplastischer Pulmonalklappe: schlechtes Ansprechen auf Ballondilatation (OP bevorzugen). HCM-Monitoring auch bei Erwachsenen.
  3. EKG (12-Kanal) WPW-Syndrom (besonders bei NSML/RAF1/PTPN11). AV-Block (NSML). QTc-Verlängerung. Linkshypertrophie bei HCM. Arrhythmien. Obligat bei Diagnose und regelmäßig.
  4. Bildgebung – Ophthalmologie & HNO Augenbefund: Ptose, Strabismus, Refraktion, Lisch-Knötchen (NF1). Audiometrie: konduktive Schwerhörigkeit (Otitis media serosa), sensorineural möglich. Schädelsonographie / MRT bei Hydrozephalus-Verdacht.
  5. Labordiagnostik Blutbild (Thrombozytopenie? myeloproliferativ?). Gerinnungsstatus (Faktor-XI-Mangel, vWD, PTT verlängert bei Noonan ~50 %!). TSH/fT4 (Schilddrüse). IGF-1 (Wachstum). LH/FSH/Testosteron (Kryptorchismus). Ferritin/Transferrin (Lymphangiekatasen mit Eiweißverlust). Urinanalyse (Costello: Blasenmalignom).
  6. Neuropsychologische Testung IQ-Test (WISC). Sprache (SETK). ADHS-Diagnostik (Conners). Lernleistungen. Motorik-Assessment. Autismus-Screening (M-CHAT, ADOS bei Verdacht). Frühzeitig ab 3–4 Jahren (vor Schulbeginn). Förderplanung erstellen.
  7. Molekulargenetische Diagnostik RASopathien-Panel (Next-Generation-Sequencing): PTPN11, SOS1, RAF1, BRAF, MAP2K1/2, KRAS, HRAS, NRAS, RIT1, LZTR1, RRAS, SHOC2, NF1, SPRED1 und weitere. Positive Rate ~75–80 % bei klinisch diagnostiziertem NS. Sanger-Bestätigung pathogener Varianten.

Labordiagnostik – Spezifische Parameter

ParameterMethodeBefund bei RASopathienKlinische Bedeutung
Blutbild + DifferenzierungHämatologie-AutomatThrombozytopenie (NS), Monozytose (JMML-Verdacht!), LeukozytoseJMML: Monozytose > 1 × 10⁹/l. Bei NS + myeloproliferativem Bild: Pädiatrische Onkologie!
Gerinnungsstatus (aPTT, Quick, Faktor XI, vWF)KoagulometrieFaktor-XI-Mangel (~50 % NS), vWD Typ 1 möglichPräoperativ OBLIGAT bei jedem NS-Kind. Gerinnungsoptimierung vor Herzchirurgie!
IGF-1 (SDS für Alter/Geschlecht)ImmunoassayOft erniedrigt/niedrig-normal (partial GH-Insensitivität bei NS)GH-Therapie-Indikation; unter Therapie auf +2 SDS begrenzen
TSH, fT4ECLIAHashimoto-Thyreoiditis häufiger (v.a. NS mit i(Xq)-ähnlichen Varianten)Jährliches Screening empfohlen
LH, FSH, Testosteron / hCG-TestImmunoassayHypergonadotroper Hypogonadismus bei Gonadendysgenesie (NSML)Bei Kryptorchismus: hCG-Test vor Orchidopexie + Hodenbiopsie
Lymphozyten-Subtypen, ImmunglobulineFACS / NephelometrieLymphozytopenien, Hypogammaglobulinämie (bei Lymphangiekatasen)Immundefizit-Screening bei rezidivierenden Infektionen
Urinanalyse + Urin-ZytologieStreifentest + SedimentCostello-Syndrom: jährlich ab 10 Jahren (Blasenmalignom-Screening)Costello: Hämaturie → Blasen-Zystoskopie!
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Molekulargenetik der RASopathien

Die Molekulargenetik der RASopathien hat sich in den letzten Jahren durch NGS-Technologie dramatisch erweitert. Mehr als 20 Gene des RAS/MAPK-Signalweges sind mit RASopathien assoziiert. Trotz der genetischen Heterogenität erklärt die Pathophysiologie (konstitutive MAPK-Aktivierung) die klinischen Gemeinsamkeiten.

NGS-Panel vs. Einzelgen-Test: Bei klassischem Noonan-Phänotyp kann eine sequenzielle Analyse (PTPN11 → SOS1 → RAF1 → RIT1) sinnvoll sein, da PTPN11 ~50 % erklärt. Bei atypischem Phänotyp oder Kostello/CFC-Verdacht: direkt breites RASopathien-Panel (alle >20 Gene). HRAS fast immer bei Costello, BRAF hauptsächlich bei CFC. Negatives Panel (~20–25 %): ggf. Exomsequenzierung mit Trio.

RASopathien-Genliste – vollständige Übersicht

GenProtein / FunktionErkrankung(en)Häufigkeit im SyndromPhänotypische BesonderheitenErbgang
PTPN11SHP2 (Tyrosinphosphatase, RAS-Aktivator)Noonan (NS) · NSML/LEOPARD~50 % NS; ~90 % NSMLNS-GoF: Pulmonalstenose, AVSD; NSML-LoF: HCM, Lentigines. Häufigste bei JMML-assoziiertem NS.AD (meist de novo)
SOS1Son of Sevenless (GEF für RAS)Noonan-Syndrom~10–13 % NSMilderer Phänotyp: weniger Kleinwuchs, mehr Ektodermal-Anomalien (Papeln). Häufige Pulmonalstenose. Gute Intelligenz.AD (häufig de novo)
RAF1Serin/Threonin-Kinase (MAPK-Aktivator)Noonan · NSML~5–7 % NSHCM besonders häufig (~75 % der RAF1-NS). Schwerere Herzproblematik. Lentigines möglich.AD
BRAFRAF-Kinase (MEK-Aktivator)CFC · NSML · Noonan~75 % CFC; seltener NSCFC: schwerer Phänotyp, Ektodermal-Anomalien, HCM. Auch bei LEOPARD-Typ möglich.AD (meist de novo)
MAP2K1 (MEK1)MEK1-Kinase (ERK-Phosphorylierung)CFC~10–15 % CFCCFC-Phänotyp; schwere Lernschwäche; HerzfehlerAD (de novo)
MAP2K2 (MEK2)MEK2-KinaseCFC~5–7 % CFCÄhnlich MEK1; CFC-PhänotypAD (de novo)
KRASKRAS-Onkoprotein (kleines G-Protein)Noonan · CFC (selten)~2–3 % NSSchwerer NS-Phänotyp, häufiger Lernschwäche; KRAS-Mutationen auch bei CFC und JMML/LeukämienAD (de novo)
HRASHRAS-OnkoproteinCostello-Syndrom~85 % Costello (G12S oder G12A)Fast ausschließlich Costello. Papillome, lockere Haut, Rhabdomyosarkom-Risiko. Fast alle de novo.AD (fast immer de novo)
NRASNRAS-OnkoproteinNoonan-ähnlichSelten (<1 % NS)Noonan-ähnlich mit erhöhtem Leukämie-RisikoAD (de novo)
RIT1RIT1 GTPase (RAS-Verwandter)Noonan~5–9 % NSHäufig HCM, Hypotonie neonatal, Lymphödem. Weniger Kleinwuchs.AD (de novo)
LZTR1Leucine-Zipper-ähnlicher Transcription Regulator 1Noonan~2–5 % NSHeterogener Phänotyp; auch AR-Noonan möglich (biallelisch = schwerer). Herzfehler variabel.AD oder AR
RRASRRAS (RAS-verwandtes Protein)NoonanSeltenNoonan-Phänotyp mit HCMAD
SHOC2SHOC2 (Scaffolding-Protein für RAS/RAF)Noonan mit Loose Anagen Hair (NSML-ähnlich / CAPNT)SeltenLockeres Anagen-Haar, Herzfehler (AVSD, Ductus), Hyperaktivität, Lernschwäche, HautanomalienAD (de novo)
MYST4 (KAT6B)Histon-AcetyltransferaseNoonan-ähnlichSehr seltenNoonan-ähnlicher Phänotyp; Teil erweiterter DifferenzialdiagnostikAD
NF1Neurofibromin (RAS-GAP; inhibiert RAS)Neurofibromatose Typ 1 (NF1) · Watson-SyndromCafé-au-lait, Neurofibrome, Plexiformneurofibrome (MPNST-Risiko!), Optikusgliom, JMML, Lisch-KnötchenAD (50 % de novo)
SPRED1Sprouty-related EVH1 domain protein 1 (negativ reguliert ERK)Legius-SyndromNF1-ähnliche Café-au-lait + Freckles; KEINE Neurofibrome/Lisch-Knötchen. Differenzierung von NF1 klinisch schwierig → Genetik!AD

Diagnostisches Stufenkonzept Genetik

  1. Klinische Zuordnung zu RASopathie-Subtyp NS vs. CFC vs. Costello vs. NF1 anhand klinischer Merkmale (Tabelle oben). Costello: fast immer HRAS → gezielter Test. NF1: NF1-Panel oder Einzelgen-Sequenzierung. NSML: PTPN11 LoF oder RAF1.
  2. PTPN11-Sequenzierung (erste Wahl NS) ~50 % Detektionsrate bei klinischem NS. Sanger oder NGS. GoF vs. LoF unterscheiden (GoF = NS; LoF = NSML). Punktmutationen; Exon 3, 8, 13 häufig betroffen.
  3. RASopathien-NGS-Panel (Breitpanel) Alle 20+ Gene gleichzeitig: PTPN11, SOS1, RAF1, BRAF, MAP2K1/2, KRAS, HRAS, NRAS, RIT1, LZTR1, RRAS, SHOC2, NF1, SPRED1 u.a. Empfohlen als Erstuntersuchung bei unklarem Phänotyp oder gleichzeitiger diagnostischer Effizienz. Sensitivität ~80 % bei klinischem NS.
  4. NF1-spezifische Diagnostik NF1-Sequenzierung (groß, 60 Exons) + MLPA (Deletionen/Duplikationen ~5–10 %). Sektionale Analyse wegen Gengrö ße. Diagnostische Kriterien (7 NIH-Kriterien) beachten. Atypische Fälle: NF1-Deletionssyndrom (70 % mehr Neurofibrome, MR).
  5. Exomsequenzierung bei negativem Panel ~20–25 % der klinisch diagnostizierten NS bleiben genetisch ungeklärt. Trio-Analyse (Patient + Eltern). Neue Kandidatengene kontinuierlich identifiziert. Wichtig für Familienplanung und Prognose.
  6. JMML – somatische Diagnostik Bei JMML-Verdacht: Knochenmark-Biopsy. Somatische Mutationsanalyse (PTPN11, KRAS, NRAS, CBL, NF1) in Knochenmarkzellen. Keimbahn-Diagnose trennen von somatischen Befunden.
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Differenzialdiagnostik

RASopathien untereinander – Vergleichstabelle

Merkmal Noonan (NS) NSML/LEOPARD CFC Costello NF1
Genetik
HauptgenPTPN11 (~50 %)PTPN11 LoF (~90 %)BRAF (~75 %)HRAS (~85 %)NF1
ErbgangAD / de novoAD / de novofast immer de novofast immer de novoAD; 50 % de novo
Herzfehler
Pulmonalstenose++++++-/+
HCM+ (RAF1++)+++ (häufigste!)++++-
Haut
Lentigines-++++ (pathognom.)---
Café-au-lait-+--+++ (6+)
Papillome---++++ (pathognom.)-
Ektodermal (Ichthyosis)--+++ (lockere Haut)-
Kognition / Entwicklung
Lernschwäche+ (meist mild)+++ (schwer)++ (schwer)+ (mild)
Malignomrisiko
JMML-Risiko+ (transient/somatisch)---++ (NF1-JMML)
Solide Tumoren--+/-++++ (Rhabdomyos.!)++ (MPNST, Gliom)

RASopathien vs. andere Syndrome

ErkrankungGemeinsamkeiten mit NSEntscheidende UnterschiedeWegweisende Diagnostik
Ullrich-Turner-Syndrom (45,X)Pterygium colli, Kleinwuchs, Herzfehler (CoA vs. PS), LymphödemNur Mädchen! Karyotyp 45,X. Herzfehler: Koarktation + bikuspide Aortenklappe (nicht PS). Gonadendysgenesie. Kein Kryptorchismus.Karyotyp (Mädchen immer!); RASopathien-Panel normal
Williams-Beuren-SyndromHerzfehler, Kleinwuchs, Lernschwäche, FaziesSupravalvuläre Aortenstenose (nicht PS). Hypercalcämie. Elfin-Fazies. Sehr gesellig. 7q11.23-Deletion (ELN-Gen).Array-CGH oder FISH 7q11.23; Karyotyp
Kabuki-Syndrom (KMT2D, KDM6A)Herzfehler, Kleinwuchs, Lernschwäche, charakteristische FaziesVerlängerte Wimpern, persistierende Fingerkuppenpolster, Skelettanomalien, KMT2D/KDM6A-MutationenKlinisch + KMT2D-Sequenzierung / Panel
Legius-Syndrom (SPRED1)Café-au-lait wie NF1; FrecklesKEINE Neurofibrome, KEINE Lisch-Knötchen, KEIN Optikusgliom, KEIN erhöhtes Malignomrisiko. Mildes Bild.SPRED1-Sequenzierung (NF1-Gen normal!)
Alagiole-Syndrom (JAG1/NOTCH2)Herzfehler (periphere PS), GesichtsdysmorphienPeriphere (nicht valvuläre) Pulmonalstenose. Lebererkrankung (Gallengangsatresie). Augenanomalien (Embryotoxon). JAG1-Gen.Leberbiopsie; JAG1-Sequenzierung
CHARGE-Syndrom (CHD7)Herzfehler, Wachstumsverzögerung, LernschwächeKolobome, Choanalatresie, Hörverlust, Anosmie + HHH (Kallmann). CHD7-Gen.CHD7-Sequenzierung; ophthalmologische + HNO-Diagnostik
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Therapie

Die Behandlung der RASopathien ist symptombasiert und multidisziplinär. Es existiert keine kurative Therapie (außer bei somatischen Malignomerkrankungen). Zunehmend kommen jedoch zielgerichtete MEK/RAF-Inhibitoren zum Einsatz – zunächst für Malignome, jetzt auch für benigne Manifestationen (Plexiformneurofibrome, hypertrophische Kardiomyopathie in Studien).

GH-Therapie beim Noonan-Syndrom

GH-Therapie beim Noonan-Syndrom: Zugelassen in Deutschland (Norditropin®, Omnitrope® u.a.) für Kleinwuchs bei Noonan-Syndrom seit 2007 (bestätigte Gendiagnose erforderlich!). Dosis: 0,033–0,066 mg/kg/d s.c. Erwarteter Endgrößengewinn: +3–4 cm (weniger als Turner). Ansprechen variiert nach Genotyp: SOS1 und PTPN11 sprechen etwas besser an; RAF1 mit HCM: Vorsicht (GH kann HCM verstärken!). IGF-1-Kontrolle (Ziel: nicht >+2 SDS) wegen Tumorrisiko-Diskussion.

GH-Therapie Noonan (Erstlinientherapie)

Somatropin s.c. täglich. Dosis: 0,033–0,066 mg/kg/d. Beginn: wenn Kleinwuchs dokumentiert (Größe < P3 oder HV < P25). Genotypische Bestätigung vor Therapiebeginn empfohlen. IGF-1 alle 6 Monate. Knochenalter jährlich. Bei HCM: Echokardiographie vor + unter Therapie engmaschig.

Somatropin 0,033–0,066 mg/kg/d s.c.

GH-Therapie + Monitoring Herzfehler

Besondere Vorsicht bei HCM (RAF1, RIT1, PTPN11 LoF = NSML): GH kann Myokardhypertrophie verstärken. Echokardiographie vor GH-Beginn + alle 6 Monate unter Therapie. Kontraindikation: unkontrollierte hypertrophische Kardiomyopathie mit Obstruktion.

Somatropin + Kardio-Echo alle 6 Monate

Kryptorchismus – Orchidopexie

Bei Noonan: Orchidopexie bis zum 12. Lebensmonat (laut Leitlinie) empfohlen. hCG-Vorbehandlung: bei NS oft wenig wirksam (hormonelle Resistenz). Operativer Abstieg bevorzugt. Hodenbiopsie bei bilateralem Kryptorchismus erwägen (Keimzellstatus). Fertilität eingeschränkt.

Orchidopexie < 12 Monate; ggf. hCG-Test davor

Kardiologische Therapie Pulmonalstenose

Valvuläre Pulmonalstenose: Ballonvalvuloplastie (BVP). Cave bei Noonan: Pulmonalklappe oft dysplastisch → BVP-Erfolg reduziert (~50 % Restenose). Chirurgische Kommissurotomie oder Klappenrekonstruktion häufig bevorzugt. Reinterventionen häufiger als in der Normalbevölkerung.

BVP oder chirurgische Valvulotomie

Hypertrophische Kardiomyopathie (HCM)

Betablocker (Propranolol, Metoprolol): Erstlinientherapie bei obstruktiver HCM. Disopyramid: bei refraktärer Obstruktion. Septumalkohoablation / chirurgische Myektomie: bei schwerer Obstruktion. ICD bei ventrikulären Arrhythmien / Synkopen. Neue Option: Aficamten (MyoKardia) – Myosin-Inhibitor; Studien bei HCM inkl. NS-HCM.

Betablocker + ggf. Disopyramid; Myektomie

Antikoagulation / Gerinnungsoptimierung

Faktor-XI-Mangel bei ~50 % NS: präoperativ frisches Gefrorenes Plasma (FFP) oder rekombinanter Faktor XI. vWF-Mangel: DDAVP-Test vor chirurgischen Eingriffen. Gerinnungstest obligat vor Herzoperation! Keine Thrombozytenaggregationshemmer routinemäßig.

FFP / Faktor XI / DDAVP (präoperativ)

MEK-Inhibitoren & Zielgerichtete Therapien (Revolution in RASopathien-Behandlung)

Paradigmenwechsel: MEK-Inhibitoren (Trametinib, Cobimetinib) wurden ursprünglich für BRAF/MEK-mutierte Malignome (Melanom) entwickelt. Sie hemmen MEK1/2 im RAS/MAPK-Pathway unterhalb von RAS und RAF. Bei kongenitalen RASopathien bieten sie erstmals die Möglichkeit, die Pathophysiologie direkt anzugehen – jedoch bei deutlich niedrigerer Dosierung als bei Malignomen (geringere Toxizität notwendig).

Trametinib (Mekinist®) – NF1 Plexiformneurofibrome

FDA-Zulassung 2020 (ab 1 Jahr): Inoperable, progressive Plexiformneurofibrome bei NF1. Dosis: 0,025 mg/kg/d oral täglich. Spezifische pädiatrische Dosierung (gewichtsbasiert). Tumorstabilisierung oder -verkleinerung in SPRINT-Studie (~20 % partielle Remission). Nebenwirkungen: Akne-ähnlicher Ausschlag, Diarrhö, periphere Ödeme, Hepatotoxizität. EMA: ebenfalls zugelassen.

Trametinib 0,025 mg/kg/d p.o. (NF1 Plexiform)

Selumetinib (Koselugo®) – NF1 Plexiformneurofibrome (USA/EU)

FDA-Zulassung 2020; EMA 2021 (ab 3 Jahre): Symmetrischer MEK1/2-Inhibitor. Plexiformneurofibrome bei NF1 (≥ 3 J., inoperabel, symptomatisch). Dosis: 25 mg/m² 2× täglich. SPRINT-Phase-2: ~68 % partielle Remission. Besser verträglich als Trametinib. Derzeitiger Standard für pädiatrische NF1-Plexiformneurofibrome.

Selumetinib 25 mg/m² 2× tägl. p.o. (NF1)

MEK-Inhibitoren bei Noonan-HCM (experimentell)

Studien mit Trametinib oder PD0325901 (MEK-Inhibitor) bei NS-assoziierter HCM (PTPN11, RAF1). Fallberichte zeigen dramatische Regressionen der HCM. Systematische Phase-2-Studien laufen (LOVEE-Studie u.a.). Noch nicht zugelassen für diese Indikation. Off-label bei lebensbedrohlicher NS-HCM in Einzelfällen.

Trametinib (Studien, off-label bei NS-HCM)

MEK-Inhibitoren bei JMML (NF1/PTPN11)

Trametinib bei JMML in Phase-1/2-Studien (besonders NF1-JMML). Ansprechraten ~30–60 % in kleinen Serien. Bridge to transplant (allogene Stammzelltransplantation = einzige kurative Therapie!). Nicht als Monotherapie kurativ. Aktive klinische Studien (INCA Register).

Trametinib als Bridge-to-Transplant bei JMML

Costello-Syndrom – Tumorüberwachung

Keine spezifische Tumortherapie zur Prävention. Engmaschige Überwachung (Abdomen-Sono jährlich). Rhabdomyosarkom: standardisierte Chemotherapie (CWS-Protokoll). Blasenmalignom: ab 10 Jahren Urinzytologie + jährliche Sono. Bei Karzinom: Urologe/Onkologe. HRAS-Inhibitoren in Entwicklung (noch keine Zulassung für Keimbahnmutation).

Sonographie jährlich + Urinzytologie (Costello)

Förderung & Therapie Lern-/Entwicklungsstörungen

Frühförderung ab Säuglingsalter. Logopädie (Sprachentwicklungsverzögerung). Ergotherapie (Feinmotorik). Physiotherapie (Hypotonie). ADHS: Methylphenidat/Atomoxetin. Schulassistenz. Neuropsychologische Verlaufskontrollen. Psychologische Begleitung (Angst, Depression). Peer-Vernetzung (Selbsthilfe).

Frühförderung + Logopädie + Ergo + ggf. Methylphenidat

Monitoring – Alter-angepasster Überwachungsplan

Zeitraum / AlterKardialHämatologie / OnkologieEndokrinologieNeurologie / Entwicklung
Neonatal / SäuglingEcho bei Diagnose; Arrhythmie-EKG; HCM-Echo alle 3 Monate wenn vorhandenBB + Differenzial; TME (transiente Myeloproliferation) ScreeningErnährung (Trinkschwäche!); ggf. NGT; TSH-ScreeningFrühförderung; Audriometrie; Physiotherapie
Kleinkind (1–5 J.)Echo jährlich; EKG jährlich; HCM: häufigerBB bei Fieber > 2 Wochen; NF1: Ophthalmologie jährlichOrchidopexie ≤12 Monate; Wachstum; GH-Einleitung wenn indiziertFrühförderung; Logopädie; Neuropsychologie ab 3 J.
Schulalter (6–12 J.)Echo + EKG alle 1–2 Jahre; BVP/Herzop.-NachsorgeNF1: Sono Neurofibrome, Ophthalmologie; Costello: Abdomen-Sono, Urin ab 10 J.GH-Therapie-Monitoring; IGF-1; Knochenalter; TSH; PubertätszeichenNeuropsychologie; ADHS-Diagnostik/-Therapie; Schulbegleitung
Jugendliche (13–18 J.)Echo + EKG jährlich; MRT bei AortopathieNF1: MPNST-Überwachung (neu wachsende Neurofibrome); Costello: UrinzytologiePubertät (Kryptorchismus-Folgen, Hypogonadismus); Transition; Fertilität besprechen; KnochendichteNeuropsychologie; Berufsberatung; Psychologie; Selbsthilfe
ErwachseneEcho + EKG jährlich; kardiovaskuläres RisikomanagementNF1: Malignom-Überwachung lebenslang (MPNST!); jährliche klinische UntersuchungHormonsubstitution (Hypogonadismus); Knochendichte DXA; GH adults bei GHDTransition-Nachsorge; Reproduktionsmedizin; psychologische Unterstützung
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Expertenzentren & Spezialisten

RASopathien – insbesondere das Noonan-Syndrom und die Neurofibromatose Typ 1 – erfordern multidisziplinäre Betreuung in spezialisierten Zentren. Pädiatrische Endokrinologen (Wachstum, Pubertät, GH-Therapie), Kinderkardiologien (Herzfehler, HCM), Humangenetiker (Diagnostik, Familienberatung), Neuropädiatriker (NF1-Neurofibrome) und Kinderonkologen (JMML, Malignome) arbeiten zusammen.

Hinweis: Liste ohne Gewähr auf Vollständigkeit. Aktuelle Zentrumsliste: www.dgked.de, www.noonan.de, www.nfkinder.de (NF1), www.endo-ern.eu. Personalveränderungen möglich. Für NF1-spezifische Zentren: NF-Kliniken (Hamburg, Freiburg, München, Essen).

🇩🇪 Deutschland
Prof. Dr. med. Martin Zenker
Humangenetik & RASopathien-Forschung
Universitätsklinikum Magdeburg
Institut für Humangenetik
MAGDEBURG · Sachsen-Anhalt
Noonan-Syndrom, CFC, Costello, RASopathien-Genetik, PTPN11/SOS1/RAF1-Mutationen, LZTR1, Genotyp-Phänotyp, internationale RASopathien-Forschung
NoonanRASopathienForschung
Prof. Dr. med. Annette Richter-Unruh
Pädiatrische Endokrinologie
St. Josef Hospital / Universitätsklinikum Bochum
BOCHUM · NRW
Noonan-Syndrom, GH-Therapie Noonan, Kryptorchismus, DSD bei RASopathien, LHCGR, Turner + Noonan-DD, ENDO-ERN
NoonanGH-TherapieENDO-ERN
Prof. Dr. med. Susanne Bechtold-Dalla Pozza
Pädiatrische Endokrinologie
Ludwig-Maximilians-Universität München
Dr. von Haunersches Kinderspital
MÜNCHEN · Bayern
Noonan-Syndrom, GH-Therapie Noonan, Pubertät + Kryptorchismus, Wachstum, Turner-DD, Transition
NoonanGH-TherapieTransition
Prof. Dr. med. Paul-Martin Holterhus
Pädiatrische Endokrinologie
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Campus Kiel
KIEL · Schleswig-Holstein
Noonan-Syndrom, RASopathien, GH-Therapie, DSD, Molekulare Endokrinologie, Turner-DD
NoonanGH-Therapie
Prof. Dr. med. Victor-Felix Mautner
NF1 & RASopathien-Spezialist
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)
Neurologische Klinik + NF-Ambulanz
HAMBURG
Neurofibromatose Typ 1, Plexiformneurofibrome, Selumetinib/Trametinib-Therapie (NF1), MPNST, Optikusgliom, NF1-Genetik, Multidisziplinäre NF-Sprechstunde
NF1PlexiformMEK-Inhibitor
Prof. Dr. med. Ludwig Staab
Pädiatrische Endokrinologie & Genetik
Universitätsklinikum Würzburg
Klinik für Kinder- und Jugendmedizin
WÜRZBURG · Bayern
Noonan-Syndrom, GH-Therapie, Wachstumsstörungen, Kardiale Fehlbildungen + Endokrinologie, seltene Syndrome
NoonanGH-TherapieWachstum
Prof. Dr. med. Dagmar Wahl
Pädiatrische Kardiologie & Noonan-Syndrom
Universitätsklinikum Heidelberg
Abteilung Pädiatrische Kardiologie
HEIDELBERG · Baden-Württemberg
Noonan-Syndrom-Herzfehler, HCM bei NS, dysplastische Pulmonalklappe, Kardiologische Langzeitbetreuung, Gerinnungsstörungen NS
Noonan-KardioHCMPulmonalstenose
Prof. Dr. med. Helge Ropers
Humangenetik & Seltene Erkrankungen
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Institut für Medizinische Genetik
BERLIN
RASopathien-Genetik, NGS-Panel-Diagnostik, Noonan/CFC/Costello, Exomsequenzierung, seltene Syndrome, genetische Beratung
GenetikRASopathienPanel
Prof. Dr. med. Karin Moog
Humangenetik & pädiatrische Syndromdiagnostik
Universitätsklinikum Erlangen
Institut für Humangenetik
ERLANGEN · Bayern
Noonan-Syndrom, CFC, Costello, RASopathien-Panel, Genotyp-Phänotyp-Korrelationen, seltene Syndrome, genetische Beratung
GenetikNoonanCFC/Costello
Prof. Dr. med. Sabine Heger
Pädiatrische Endokrinologie
Kinderkrankenhaus auf der Bult
Hannover
HANNOVER · Niedersachsen
Noonan-Syndrom, GH-Therapie Noonan, Pubertät + Kryptorchismus, Wachstum, Herzfehler + Endokrinologie
NoonanGH-TherapiePubertät
Prof. Dr. med. Ludger Wörthmüller-Mang
NF1-Zentrum Freiburg
Universitätsklinikum Freiburg
NF1-Ambulanz & Pädiatrische Neurologie
FREIBURG · Baden-Württemberg
Neurofibromatose Typ 1, Plexiformneurofibrome, Selumetinib-Therapie, Optikusgliom, NF1-Komplikationen, Multidisziplinäre NF-Sprechstunde Freiburg
NF1PlexiformMEK-Inhibitor
Prof. Dr. med. Brigitte Stiller
Pädiatrische Kardiologie
Universitätsklinikum Freiburg
Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin
FREIBURG · Baden-Württemberg
Noonan-Syndrom-Herzfehler, HCM, Pulmonalstenose bei NS, komplexe angeborene Herzfehler, Herzchirurgie-Planung bei NS
Noonan-KardioHCMAngeborene Herzfehler
🇦🇹 Österreich
Univ.-Prof. Dr. Gabriele Haeusler
Pädiatrische Endokrinologie
Medizinische Universität Wien
Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde (AKH)
WIEN
Noonan-Syndrom, GH-Therapie, Pubertät + Kryptorchismus, Turner-DD, ENDO-ERN, DSD, österreichisches Register
NoonanGH-TherapieENDO-ERN
Univ.-Prof. Dr. Klaus Kapelari
Pädiatrische Endokrinologie
Medizinische Universität Innsbruck
Univ.-Klinik für Pädiatrie
INNSBRUCK · Tirol
Noonan-Syndrom, GH-Therapie Noonan, Kleinwuchs, Kryptorchismus, Pubertätsstörungen, Wachstum
NoonanGH-TherapieWachstum
Dr. Michael Benesch
Pädiatrische Onkologie & Hämatologie
Medizinische Universität Graz
Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde
GRAZ · Steiermark
JMML bei NF1/Noonan, Leukämien bei RASopathien, Plexiformneurofibrome, hämatologische Komplikationen Noonan, Onkologie seltener Syndrome
JMMLNF1Onkologie
Assoz.-Prof. Dr. Christian Kaindl
Pädiatrische Kardiologie
Medizinische Universität Wien
Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde
WIEN
Noonan-Syndrom-Herzfehler, HCM, Pulmonalstenose, kongenitale Herzfehler, Gerinnungsstörungen bei Herzoperation
Noonan-KardioHCM
Dr. Ingrid Windpassinger
Humangenetik
Medizinische Universität Graz
Institut für Humangenetik
GRAZ · Steiermark
RASopathien-Diagnostik, Noonan-Panel, NF1-Diagnostik, genetische Beratung seltene Syndrome, Prenataldiagnostik
GenetikRASopathienNF1
🇨🇭 Schweiz
Prof. Dr. med. Christa Flück
Pädiatrische Endokrinologie
Inselspital Bern
Universitätsklinik für Kinderheilkunde (PEDENDO)
BERN
Noonan-Syndrom, GH-Therapie, DSD + RASopathien (NR5A1 + Noonan-overlap), Wachstum, Gonaden, Steroidbiosynthese
NoonanDSDForschung
Prof. Dr. med. Urs Zumsteg
Pädiatrische Endokrinologie
Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB)
BASEL
Noonan-Syndrom, GH-Therapie Noonan, Kryptorchismus, Pubertät, Turner-DD, Wachstumsstörungen
NoonanGH-TherapieKryptorchismus
Prof. Dr. med. Anita Rauch
Humangenetik (Medizinische Genetik)
Universität Zürich
Institut für Medizinische Genetik
ZÜRICH
RASopathien-Genetik, Noonan, CFC, Costello, NGS-Panel, Exomsequenzierung, seltene Syndrome, genetische Beratung, Forschung
GenetikRASopathienForschung
Dr. med. Beatrice Latal
Pädiatrische Neuropsychologie & Entwicklung
Kinderspital Zürich – Eleonorenstiftung
ZÜRICH
Noonan/RASopathien-Entwicklungsdiagnostik, Neuropsychologie seltener Syndrome, NF1-Kognition, Frühförderung, Lebensqualität
EntwicklungNeuropsychologieNoonan
Dr. med. Tobias Kühne
Pädiatrische Hämatologie & Onkologie
Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB)
BASEL
JMML bei NF1/Noonan, hämatologische RASopathien-Komplikationen, Stammzelltransplantation, MEK-Inhibitor-Studien JMML
JMMLHämatologieMEK-Inhibitor
Dr. med. Monika Fluri
Pädiatrische Endokrinologie
Kinderspital Zürich – Eleonorenstiftung
ZÜRICH
Noonan-Syndrom, GH-Therapie, Wachstum, Pubertät, Hashimoto + RASopathien, Turner-DD
NoonanGH-TherapieWachstum

Fachgesellschaften, Netzwerke & Selbsthilfe

🏅

DGKED (Deutschland)

Deutsche Gesellschaft für Kinderendokrinologie und Diabetologie. Noonan-GH-Therapie-Richtlinien. www.dgked.de

🌿

Noonan-Syndrom e.V. (Deutschland)

Selbsthilfe, Elternberatung, Jahrestreffen, Informationsmaterial. www.noonan.de

🧠

NF e.V. / NF Kinder (NF1)

Neurofibromatose Deutschland. Selbsthilfe, Spezialkliniken. www.nfkinder.de

🌍

RASopathies Network (International)

Internationale Forschungsplattform, Patientenregister, Studien. www.rasopathiesnet.org

🇪🇺

ENDO-ERN (EU)

Noonan-Syndrom als seltene endokrine Erkrankung. Europäisches Referenznetzwerk. www.endo-ern.eu

🔬

ERN GENTURIS (EU)

Europäisches Referenznetzwerk genetische Tumorerkrankungen inkl. NF1/NF2. www.genturis.eu

💊

SPRINT-Studie / Selumetinib (NF1)

AstraZeneca-Sponsor; internationale Studien Selumetinib bei pädiatrischer NF1. Kontakt: Zentren über GENTURIS.

🎀

Costello-Syndrom Family Network

Internationales Netzwerk für Costello-Syndrom-Familien. Tumorüberwachungs-Protokolle. www.costellokids.com