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Grundlagen & Epidemiologie

Der Begriff Phosphatdiabetes bezeichnet eine Gruppe hereditärer und erworbener Erkrankungen, die durch renalen Phosphatverlust, Hypophosphatämie und gestörte Vitamin-D-Aktivierung charakterisiert sind. Die häufigste und bedeutendste Form ist die X-chromosomal-dominante Hypophosphatämie (XLH), verursacht durch pathogene Varianten im PHEX-Gen auf Xp22.11. Die klinische Manifestation umfasst Rachitis, Kleinwuchs, Knochendeformitäten und extraskelettale Komplikationen.

Definition: Hereditäre oder erworbene Störung des renalen Phosphattransports durch Überschuss des Phosphaturin-Faktors FGF23 (Fibroblast Growth Factor 23) oder direkten Defekt der Na-Phosphat-Kotransporter im proximalen Nierentubulus. Resultat: Hypophosphatämie, erniedrigtes 1,25(OH)₂-Vitamin D (Calcitriol) trotz normalem oder niedrigem 25-OH-Vitamin D, Rachitis/Osteomalazie und Wachstumsverzögerung.

1 : 20.000
Häufigkeit XLH – häufigste erbliche Rachitis-Form weltweit
~80 %
Familienanamnese positiv; ~20 % de-novo-Mutationen im PHEX-Gen
X-dom.
Erbgang XLH: X-chromosomal dominant – beide Geschlechter betroffen, ♂ oft schwerer
< 3 J.
Typischer Manifestationszeitpunkt: Beginn des Laufens, Rachitis/O-Beine
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Genetischer Hintergrund

XLH: PHEX-Gen (Phosphate-regulating Endopeptidase Homolog, X-linked) auf Xp22.11. Über 600 pathogene Varianten bekannt. PHEX-Protein inaktiviert normalerweise FGF23 – bei Mutation → FGF23-Überschuss → Phosphaturie.

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FGF23 – Zentraler Mediator

FGF23 wird in Osteozyten/Osteoblasten produziert. Wirkt auf distalen Nierentubulus: hemmt NaPi-IIa/IIc-Kotransporter (Phosphatrückresorption↓) und hemmt CYP27B1 (1-α-Hydroxylase → Calcitriol↓). Gegenseitige Regulation mit Phosphat, PTH, Klotho.

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Klinische Bedeutung

Ohne adäquate Therapie: schwere Beindeformitäten (O-Beine, X-Beine), Kleinwuchs (Endgröße ♂ ~150 cm, ♀ ~140 cm), Zahnabszesse, chronische Schmerzen, eingeschränkte Gehfähigkeit und Lebensqualität.

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Einteilung (FGF23-abhängig vs. unabhängig)

FGF23-abhängige Formen: XLH, ARHR1 (DMP1), ARHR2 (ENPP1), TIO, McCune-Albright. FGF23-unabhängige Formen: Fanconi-Syndrom, Lowe-Syndrom, HHRH (SLC34A3), SLC34A1-Mutationen.

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Pathophysiologie

Das Verständnis der FGF23-Achse ist zentral für Diagnostik und Therapie des Phosphatdiabetes. PHEX-Verlust führt zu erhöhtem FGF23, das über Klotho/FGFR1-Rezeptoren am Nierentubulus wirkt und sowohl die Phosphatrückresorption als auch die Calcitriolsynthese hemmt.

🔴 Primäre Störung

  • PHEX-Mutation → PHEX-Enzymdefekt
  • FGF23-Inaktivierung gestört
  • Freies FGF23 im Serum stark erhöht
  • FGF23 + Klotho → FGFR1-Aktivierung (Niere)
  • Hemmung NaPi-IIa / NaPi-IIc
  • Renaler Phosphatverlust (TRP ↓, TmP/GFR ↓)

🔵 Sekundäre Folgen

  • Plasma-Phosphat ↓ (Hypophosphatämie)
  • FGF23 hemmt CYP27B1 → 1,25(OH)₂D3 ↓
  • Inadäquat niedriges Calcitriol
  • Intestinale Ca²⁺/Pi-Resorption ↓
  • PTH normal oder leicht erhöht (sek. HPT)
  • Serumkalzium normal (kompensiert)

🟢 Knocheneffekte

  • Hypomineralisation der Wachstumsfuge
  • Rachitis: Auftreibung, Verbiegung
  • Osteomalazie bei Erwachsenen
  • Überproduktion von MEPE/ASARM → Mineralisation ↓
  • Gestörte Odontoblasten → Dentindefekte
  • Spontanfrakturen, Pseudofrakturen (Looser-Zonen)

🟡 Extraskelettale Pathologie

  • Enthesiopathie (Sehnen-/Bänder-Verkalkung)
  • Spinale Stenose durch Ligamentum flavum-Verkalkung
  • Hörminderung (Cochlea-Verkalkung)
  • Chronische Schmerzen (muskuloskeletal, neuropathisch)
  • Fatigue, Muskelkraft ↓
  • Evtl. Hirndruckzeichen (Chiari-Malformation)

Therapeutischer Angriffspunkt: Burosumab ist ein monoklonaler Anti-FGF23-Antikörper, der direkt den FGF23-Überschuss neutralisiert und damit kausal ansetzt – im Gegensatz zur konventionellen Therapie (orales Phosphat + Calcitriol), die nur symptomatisch den Mangel ausgleicht.

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Klinische Symptome

Die klinische Ausprägung des Phosphatdiabetes ist variabel und altersabhängig. Hemizygote Knaben sind in der Regel stärker betroffen als heterozygote Mädchen. Erste Symptome erscheinen typischerweise im Alter von 12–24 Monaten mit Beginn des Laufens.

Rachitis-Zeichen und Knochenmanifestationen

🦴 Skelettale Rachitis-Zeichen

  • Genu varum (O-Beine) – häufigstes Frühzeichen
  • Genu valgum (X-Beine) – besonders im Schulalter
  • Coxa vara (Schenkelhalsverbiegung)
  • Auftreibung der Metaphysen (Knie, Handgelenk)
  • Auftreibung der kosto-chondralen Übergänge (Rosenkranz)
  • Deformierung des Brustkorbs (Pectus carinatum/excavatum)
  • Craniosynostose (bei schweren Formen)
  • Tibia vara, Schienbeinkrümmung

📏 Wachstum & Statik

  • Disproportionierter Kleinwuchs (kurze Extremitäten)
  • Durchschnittliche Endgröße ohne Therapie: ♂ ~150 cm, ♀ ~140 cm
  • Verzögertes Laufenlernen
  • Watschelgang (Trendelenburg-Hinken)
  • Lumbale Hyperlordose
  • Vorzeitig degenerative Gelenkveränderungen

🦷 Dentale Manifestationen

  • Dentindefekte (irreguläres Dentin)
  • Spontane Zahnabszesse ohne Karies!
  • Erweiterte Pulpa (erhöhtes Infektionsrisiko)
  • Vorzeitiger Zahnverlust (Milchzähne und bleibende Zähne)
  • Enamel-Defekte (Schmelzhypoplasie)
  • Frühzeitige Parodontitis

😣 Schmerzen & Funktionsstörungen

  • Knochenschmerzen (diffus, besonders Beine)
  • Muskelschmerzen und -schwäche
  • Belastungsschmerz, eingeschränkte Gehstrecke
  • Müdigkeit, reduzierte Leistungsfähigkeit
  • Pseudofrakturen (Looser-Zonen) bei Erwachsenen
  • Rippen-/Wirbelsäulenfrakturen

Extraskelettale Manifestationen

🦻 Enthesiopathie & Spinale Komplikationen

  • Enthesiopathien (Kalzifikation der Sehnenansätze)
  • Spinale Stenose durch Ligamentum-flavum-Verkalkung
  • Zervikale Myelopathie (Halswirbelsäulenenge)
  • Chiari-I-Malformation (bei Kleinwuchs und Schädelfehlform)
  • Hörminderung (sensorineural und konduktiv)

🫁 Weitere Organmanifestationen

  • Nephrocalcinose (Komplikation der Therapie!)
  • Niereninsuffizienz (Langzeitkomplikation)
  • Sekundärer Hyperparathyreoidismus
  • Tertiärer HPT (nach Langzeittherapie)
  • Insulinresistenz / Glukosestoffwechselstörung (selten)

Manifestationen im Erwachsenenalter

Ohne oder bei unzureichender Therapie zeigen Erwachsene mit XLH ein charakteristisches Bild der chronischen Osteomalazie mit persistierenden Beschwerden, die die Lebensqualität stark einschränken.

Erwachsenenform: Osteomalazie mit diffusen Knochenschmerzen, Muskelschwäche, Fatigue. Pseudofrakturen (Looser-Zonen) bevorzugt im Femur, Tibia, Rippen und Metatarsalia. Enthesiopathie (Plantar-Fasziitis, Achillessehnen-Insertionopathie, Syndesmophyten). Progressiver Hörverlust. Spinale Kompression. Sekundär/tertiär HPT. Renale Komplikationen (Nephrocalcinose, Kreatinin↑).

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Diagnostik

Die Diagnose des Phosphatdiabetes basiert auf dem Zusammenspiel aus klinischem Befund, spezifischen Laborparametern und Bildgebung. Zentrales Kriterium ist die Kombination aus Hypophosphatämie und niedrigem tubulärem Phosphat-Rückresorptions-Quotienten (TmP/GFR) bei gleichzeitig unangemessen normalem oder niedrigem Calcitriol.

Labordiagnostik

Diagnostischer Algorithmus: Hypophosphatämie (altersadaptiert) + TmP/GFR ↓ + Calcitriol inadäquat niedrig + FGF23 erhöht = FGF23-vermittelte Hypophosphatämie. Differenzierung der Subtypen durch Genetik und ggf. weitere Marker.

Parameter Erwarteter Befund bei XLH Klinische Bedeutung Störfaktoren
Serum-Phosphat ↓↓ (altersadaptierte Norm!) Leitsymptom; Säuglinge haben physiologisch höhere Werte! Tageszeit, Nahrungsaufnahme, hämolyse
TmP/GFR ↓↓ (< 2,5 mmol/L bei Kindern) Goldstandard für tubulären Phosphatverlust; aus Serum + Urin-Phosphat + Kreatinin Muss zeitgleich aus Serum und Spontanurin
TRP (Tubuläre Rückresorption Phosphat) < 85 % Grober Näherungswert; TmP/GFR präziser Vereinfachte Formel: 1 – (UP×SC)/(SP×UC)
FGF23 (intact) ↑↑ (oft > 100 pg/mL) Erhöht bei XLH, ARHR, TIO; normal/erniedrigt bei Fanconi, HHRH EDTA-Plasma nötig; sofort zentrifugieren; Hämolyse stört
Calcitriol (1,25(OH)₂D3) ↓ oder inadäquat normal Trotz Hypophosphatämie nicht kompensatorisch erhöht → pathognomonisch Saisonale Schwankungen weniger relevant als 25-OH-D
25-OH-Vitamin D Normal oder moderat ↓ Ausschluss einfacher Vitamin-D-Mangelrachitis (dort stark ↓) Supplementierung, Jahreszeit
Serum-Kalzium Normal Cave: Hypokalzämie spricht gegen XLH, für Vitamin-D-Mangel-Rachitis Albumin-adjustiert messen
PTH Normal oder leicht ↑ Sekundärer HPT unter Therapie möglich; tertiärer HPT nach Langzeittherapie Niereninsuffizienz → PTH ↑
Alkalische Phosphatase (AP) ↑↑ (knochenspezifisch) Aktivitätsmarker der Rachitis/Osteomalazie; sinkt unter Therapie Wachstumsschub erhöht AP physiologisch
Urin-Kalzium / Kreatinin Variabel; unter Therapie auf Hyperkalziurie achten! Nephrocalcinose-Risiko-Monitoring; Therapieanpassung 24h-Urin oder Morgenurin-Spot
Urin-Phosphat / Kreatinin ↑ (gesteigerte Phosphaturie) Berechnung TRP und TmP/GFR Gleichzeitig mit Serumwerten bestimmen
Knochen-AP (bAP) oder P1NP Sensitiver Marker der Knochenumbauaktivität; Therapiemonitoring Alter, Pubertätsstadium beachten

Bildgebung & Knochendichte

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Konventionelles Röntgen

Knie und Handgelenke a.p.: Auftreibung und Fransen der Metaphysen, verbreiterte Epiphysenfuge, Coxa vara. Ganzbein-Röntgen: Achsfehlstellung messen. Wirbelsäule: Skoliose, Plattwirbel, Spondylitis enthesopathica.

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Nierensonographie

Obligat alle 6–12 Monate unter Therapie: Nachweis von Nephrocalcinose (Grad I–III nach Hamed). Frühzeitige Diagnose entscheidend für Therapieanpassung. Unter Burosumab deutlich seltener.

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Röntgen-Ganzbeinstandaufnahme

Achsmessung (mechanische Achse, medial proximaler Tibiawinkel MPTW, lateraler distaler Femurwinkel LDFW). Entscheidend für OP-Indikation und Timing der Korrekturosteotomie.

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DXA (Knochendichte)

LWS und Gesamtkörper (ohne Kopf) bei Kindern; Femur + LWS bei Erwachsenen. Z-Score oft altersadjustiert niedrig. Verlaufskontrolle unter Therapie empfohlen (alle 2–3 Jahre).

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MRT Schädel / Wirbelsäule

Bei neurologischen Symptomen: Chiari-Malformation, zervikale/thorakale Myelopathie durch Ligamentum-flavum-Kalzifikation, spinale Stenose. MRT Innenohr: Cochlea-Verkalkung bei Hörminderung.

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Zahnärztliches OPG

Orthopantomogramm: erweiterte Pulpakammern, Dentindefekte, periapikale Abszesse, atypische Wurzelmorphologie. Dentaler Befund oft Erstmanifestation!

Diagnostischer Algorithmus bei Rachitis-Verdacht

  1. Basislabor Rachitis Serum: Ca, Phosphat, AP, PTH, 25-OH-D, Kreatinin. Urin: Ca/Krea, Phosphat/Krea. → Hypokalzämische Rachitis? → Hypophosphatämische Rachitis?
  2. TmP/GFR berechnen Phosphat-Rückresorptionsquotient aus gleichzeitig gewonnenem Serum und Spontanurin. TmP/GFR ↓ → renaler Phosphatverlust gesichert.
  3. Calcitriol-Status 1,25(OH)₂D3 messen: Inadäquat normal oder niedrig trotz Hypophosphatämie → FGF23-Achse gestört. Calcitriol erhöht → HHRH (hereditäre Hypophosphatämie mit Hyperkalziurie).
  4. FGF23 bestimmen Intact FGF23 im EDTA-Plasma. Erhöht → FGF23-vermittelte Hypophosphatämie (XLH, ARHR, TIO, McCune-Albright). Normal/niedrig → FGF23-unabhängige Form (Fanconi, HHRH, SLC34A1/A3).
  5. Bildgebung Röntgen Knie + Handgelenk: Rachitis-Zeichen. Ganzbein-Röntgen: Achsfehlstellung. Nierensonographie: Nephrocalcinose. OPG: Dentale Defekte.
  6. Genetische Diagnostik PHEX-Sequenzierung (+ MLPA) als erster Schritt bei FGF23↑-Hypophosphatämie. Bei negativem PHEX: erweitertes Panel (DMP1, ENPP1, FAM20A, SLC34A1/A3 etc.). TIO-Ausschluss (Ganzkörper-FDG-PET/CT bei Erwachsenen).
  7. Familienuntersuchung X-chromosomal dominanter Erbgang: Mutter und/oder Söhne/Töchter. Segregationsanalyse. Genetische Beratung der Familie. Pränataldiagnostik möglich.
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Molekulargenetische Ursachen

Hereditäre Hypophosphatämien sind ätiologisch heterogen. Die molekulare Einordnung ist entscheidend für Prognose, Therapiewahl (Burosumab nur bei FGF23-abhängigen Formen zugelassen!) und Familienberatung.

PHEX-Gen und XLH (Häufigste Form)

PHEX (Phosphate-regulating Endopeptidase Homolog, X-linked): Kodiert für eine Zink-Metalloendopeptidase, die auf der Oberfläche von Osteozyten/Osteoblasten exprimiert wird. Normalfunktion: Inaktivierung von FGF23 (und ASARM-Peptiden). Bei pathogener PHEX-Variante → unkontrollierte FGF23-Produktion und -Sekretion im Knochen. Über 600 verschiedene pathogene Varianten bekannt (Missense, Nonsense, Frameshift, Spleißdefekte, Exon-Deletionen/-Duplikationen).

Weitere erbliche Hypophosphatämien im Überblick

Erkrankung Gen Erbgang Locus FGF23 Besonderheiten / Klinik
XLH (X-linked Hypophosphatämie) PHEX X-dom. Xp22.11 ↑↑ Häufigste erbliche Rachitis; ♂ stärker als ♀; de-novo-Mutationen ~20 %
ARHR1 (Autosomal-rez. Hypophosphatämie 1) DMP1 AR 4q22.1 ↑↑ Schwere Rachitis; dentale Anomalien; ähnlich XLH klinisch
ARHR2 (Autosomal-rez. Hypophosphatämie 2) ENPP1 AR 6q23.2 ↑↑ Auch: generalisierte arterielle Kalzifikation des Säuglings (GACI); Burosumab-responsiv
ADHR (Autosomal-dom. Hypophosphatämie) FGF23 AD 12p13.3 ↑↑ Gain-of-function-Mutation in FGF23 (Arg176/Arg179): resistenter gegen Spaltung; fluktuierender Verlauf
HHRH (Hereditäre Hypophosphatämie mit Hyperkalziurie) SLC34A3 AR 9q34.3 ↓/normal FGF23-unabhängig! NaPi-IIc-Defekt. Calcitriol↑, Hyperkalziurie; Nephrolithiasis/Nephrocalcinose. Kein Burosumab!
SLC34A1-Nephropathie SLC34A1 AR/AD 5q35.3 ↓/normal NaPi-IIa-Defekt; Nephrocalcinose, Hyperkalziurie, frühzeitige Niereninsuffizienz; idiopathische infantile Hyperkalzämie
Fanconi-Syndrom (primär, Lowe) OCRL / diverse X-rez./AR Xq26.1 normal Proximal-tubuläre Gesamtstörung: Phosphatverlust + Glukosurie + Aminoazidurie + Bikarbonatverlust + RTA
TIO (Tumorinduzierte Osteomalazie) erworben ↑↑↑ FGF23-sezernierender Tumor (meist mesenchymal); Erwachsene; Heilung nach Resektion. Diagnose: FDG-PET/CT, Octreotid-Szintigraphie
McCune-Albright-Syndrom GNAS erworben (postzygot) 20q13.3 Fibröse Dysplasie + Café-au-lait-Flecken + Pubertas praecox + Hypophosphatämie; Mosaikmutation Gsα
FAM20A-assoziiert (Enamel-Renal) FAM20A AR 17q24.2 Amelogenesis imperfecta + Nephrocalcinose + Gingiva-Fibromatose + Hypophosphatämie

Wichtig für die Therapiewahl: Burosumab (Anti-FGF23-Antikörper) ist nur bei FGF23-abhängigen Hypophosphatämien wirksam (XLH, ARHR1, ARHR2, ADHR, TIO, McCune-Albright mit FGF23↑). Bei FGF23-unabhängigen Formen (HHRH, Fanconi) ist Burosumab nicht indiziert und kann sogar schaden (Hyperkalziurie-Verstärkung bei HHRH).

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Molekulargenetische Diagnostik

Die molekulargenetische Diagnostik ist bei Hypophosphatämie essenziell: Sie sichert die Diagnose, klärt den Erbgang für die Familienberatung, ermöglicht Pränatal- und Präimplantationsdiagnostik und ist Voraussetzung für den Off-label- bzw. Zulassungsnachweis von Burosumab in manchen Ländern.

Indikationen zur genetischen Diagnostik

Indikationen: (1) Jede FGF23-abhängige Hypophosphatämie im Kindesalter. (2) Positive Familienanamnese (XLH-Elternteil bekannt). (3) Atypischer Verlauf oder schlechtes Therapieansprechen. (4) Pränataldiagnostik bei bekannter Familienmutation. (5) Therapieentscheidung Burosumab (setzt genetische Diagnose voraus). (6) Abgrenzung von FGF23-unabhängigen Formen (HHRH!).

🧬 PHEX-Sequenzierung + MLPA

  • Sequenzierung aller 22 PHEX-Exons (NGS)
  • Detektiert Punktmutationen, kleine Ins/Del
  • MLPA ergänzend: Exon-Deletionen/-Duplikationen (~10–15 % der Mutationen!)
  • Sensitivität kombiniert: ~80–90 %
  • Bei negativem Befund: mögliche deep-intronic-Varianten → RNA-Analyse
  • Zulassungsvoraussetzung für Burosumab (bei Kindern)

🔭 Erweitertes Hypophosphatämie-Panel (NGS)

  • Bei negativem PHEX oder atypischem Phänotyp
  • Gene: PHEX, DMP1, ENPP1, FGF23, SLC34A3, SLC34A1, OCRL, CLCN5, FAM20A, GALNT3 u.a.
  • Whole Exome Sequencing (WES) bei negativem Panel
  • Kopiezahlanalyse (CNV) inkludieren
  • Turnaround ca. 4–8 Wochen

🔬 Spezifische Zusatzdiagnostik

  • GNAS-Analyse (McCune-Albright): postzygotische Mosaikmutation → sensitiver Nachweis in Blut oft negativ → Haut- oder Knochenbiopsie nötig
  • RNA-Analyse (cDNA): Spleißdefekte in PHEX
  • Chromosomenanalyse: Strukturelle X-Anomalien (Deletionen)
  • FDG-PET/CT: TIO-Tumorlokalisation (Erwachsene, erworbene Form)

👨‍👩‍👧 Familien- und Pränataldiagnostik

  • Kaskaden-Screening bei bekannter PHEX-Mutation in Familie
  • Pränataldiagnostik (CVS/Amniozentese): nach genetischer Beratung
  • Präimplantationsdiagnostik (PGT-M): an Zentren möglich
  • X-chromosomal dominanter Erbgang: 50 % Übertragungsrisiko pro Kind
  • Gesunde Väter können betroffene Töchter haben!
  • Gesunde Mütter: wahrscheinlich milde Manifestation

Genetische Beratung – Wichtige Aspekte

Erbgang XLH: X-chromosomal dominant. Betroffener Vater → alle Töchter betroffen, kein Sohn betroffen. Betroffene Mutter → 50 % der Söhne und 50 % der Töchter betroffen. De-novo-Rate ~20 %. Vollständige Penetranz, variable Expressivität. Hemizygote Söhne klinisch schwerer als heterozygote Töchter. Genetische Beratung vor Familienplanung unbedingt empfohlen. Gesetzliche Grundlage: Gendiagnostikgesetz (GenDG, Deutschland).

MethodeIndikationSensitivitätTurnaroundAnmerkung
PHEX-Sequenzierung (Sanger/NGS) Erstdiagnostik XLH ~70–75 % 3–4 Wo Obligat plus MLPA
PHEX-MLPA Exon-CNV-Nachweis ~10–15 % der Fälle 4–6 Wo Ergänzend zur Sequenzierung
Hypophosphatämie-Panel NGS Negativer PHEX, atypisch >90 % (kombiniert) 6–8 Wo Inkl. DMP1, ENPP1, SLC34A3 etc.
Whole Exome Sequencing (WES) Negativer Panel ~90–95 % (exomisch) 8–12 Wo Plus bioinformatische Filterung
GNAS-Mosaikanalyse McCune-Albright-V.a. Variabel (Gewebe!) 6–8 Wo Blut oft falsch-negativ
RNA/cDNA-Analyse PHEX V.a. Spleißdefekt Hoch für Spleißvarianten 6–8 Wo Spezialzentren
Gezielte Familiendiagnostik Kausalvariante bekannt ~100 % 2–3 Wo Einfach, kostengünstig
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Differenzialdiagnostik

Die wichtigste Abgrenzung ist die zwischen hypophosphatämischer Rachitis (normales/niedriges Kalzium) und hypokalzämischer Rachitis (niedriges Kalzium, hohes PTH). Innerhalb der hypophosphatämischen Rachitiden ist die Unterscheidung zwischen FGF23-abhängigen und -unabhängigen Formen therapieentscheidend.

Erkrankung Kalzium Phosphat PTH 25-OH-D Calcitriol FGF23 Schlüsselmerkmal
XLH (PHEX) normal ↓↓ normal/↑ normal inadäquat ↓ ↑↑ Häufigste erbliche Rachitis; X-dominanter Erbgang
Vitamin-D-Mangelrachitis ↓/normal ↑↑ ↓↓ normal 25-OH-D <25 nmol/L; häufigste Rachitis weltweit; nutritiv/solarmangel
Vitamin-D-abhängige Rachitis Typ 1 (CYP27B1) ↑↑ normal/↑ ↓↓↓ normal 1α-Hydroxylase-Defekt; AR; normale 25-OH-D, kein Calcitriol; Therapie: Calcitriol
Vitamin-D-abhängige Rachitis Typ 2 (VDR) ↑↑ normal ↑↑↑ normal VDR-Mutation (Endorganresistenz); sehr hohes Calcitriol; oft Alopezie; i.v.-Kalzium nötig
HHRH (SLC34A3) normal/↑ ↓↓ ↓/normal normal ↑↑ ↓/normal FGF23-unabhängig! Calcitriol↑! Hyperkalziurie! Nephrolithiasis. Kein Burosumab!
Renale tubuläre Azidose (RTA Typ 2) normal normal/↑ normal variabel normal Azidose! Bikarbonatverlust im Urin; Fanconi-Syndrom; Glukosurie, Aminoazidurie
Lowe-Syndrom (OCRL) normal normal normal variabel normal Fanconi + kongenitales Katarakt + Intelligenzminderung; X-rezessiv; Jungen
Dent-Disease (CLCN5/OCRL) normal/↑ normal normal normal Niedermolekulargewicht-Proteinurie + Hyperkalziurie + Nephrocalcinose; X-rezessiv; Männer
Tumorinduzierte Osteomalazie (TIO) normal ↓↓ normal normal ↑↑↑ Erworben; Erwachsene; FGF23-produzierender mesenchymaler Tumor; Heilung nach OP
Hypoparathyreoidismus ↓↓ ↑↑ ↓↓ normal normal Hyperphosphatämie! Cave: gegenteilig zu Phosphatdiabetes; PTH-Mangel

Cave Vitamin-D-Mangelrachitis vs. XLH: Häufiger Fehler ist die Diagnose „Vitamin-D-Mangelrachitis" bei eigentlicher XLH, da Phosphat initial evtl. wenig beachtet wird. Schlüsselunterschied: Bei XLH normales Kalzium + normales 25-OH-D + Hypokalziurie (TRP↓) + FGF23↑; bei Vitamin-D-Mangelrachitis: Hypokalzämie + PTH↑↑ + 25-OH-D↓↓.

Differenzierung Rachitisformen im Kindesalter

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Nutritive Rachitis (Vitamin-D-Mangel)

Häufigste Rachitis weltweit. Risiko: dunkle Hautfarbe, Stillen ohne Vitamin-D-Supplementierung, wenig Sonne, Epilepsie-Medikamente. Therepie: Vitamin-D + Kalzium. Schnelle Heilung.

🟣

Kalzipenische Rachitis

Selten: primärer Kalziummangel (nutritiv in Entwicklungsländern), CYP27B1-Defekt (VDDR Typ 1), VDR-Defekt (VDDR Typ 2 mit Alopezie). Labor: Ca↓, PTH↑↑, Calcitriol differenziert.

🔵

Phosphopenische Rachitis (FGF23-abhängig)

XLH (häufigste erbliche Form), ARHR1/2, ADHR, TIO, McCune-Albright. Labor: Ca normal, Pi↓↓, FGF23↑↑, Calcitriol inadäquat. Therapie: Burosumab (bevorzugt) oder Pi + Calcitriol.

🟢

Phosphopenische Rachitis (FGF23-unabhängig)

HHRH (SLC34A3): Calcitriol↑, Hyperkalziurie → NaCl-Substitution, kein Burosumab. Fanconi-Syndrom: proximale tubuläre Gesamtstörung. Dent, Lowe, Cystinose. Behandlung der Grundkrankheit.

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Therapiemöglichkeiten

Die Therapie des Phosphatdiabetes hat sich durch die Zulassung von Burosumab (Anti-FGF23-Antikörper) revolutioniert. Burosumab ist seit 2018 (EU) für Kinder ≥1 Jahr und Erwachsene mit XLH zugelassen und adressiert kausal den FGF23-Überschuss. Die konventionelle Therapie mit oralem Phosphat und aktivem Vitamin D bleibt wichtige Alternative, insbesondere wo Burosumab nicht verfügbar/erstattet ist.

Therapieziele: Normalisierung des Serum-Phosphats (altersadaptiert), Heilung der aktiven Rachitis (Röntgen, AP-Normalisierung), Korrektur der Beinachsen, Optimierung des Längenwachstums, Prävention von Komplikationen (Nephrocalcinose, HPT, Enthesiopathie), Schmerzreduktion und Verbesserung der Lebensqualität.

Burosumab (Crysvita®) – Anti-FGF23-Antikörper

💉 Burosumab – Wirkprinzip

Monoklonaler humaner IgG1-Antikörper gegen FGF23. Bindet und neutralisiert überschüssiges FGF23 → NaPi-IIa/IIc-Aktivierung ↑ → Phosphatrückresorption ↑ → Serum-Pi ↑. Gleichzeitig: CYP27B1-Enthemmung → Calcitriol ↑ (physiologisch reguliert). Subkutane Injektion alle 2 Wochen (Kinder) oder alle 4 Wochen (Erwachsene).

Burosumab (Crysvita®)

📊 Dosierung & Therapieüberwachung

Kinder: Startdosis 0,8 mg/kg KG s.c. q2w (max. 90 mg/Dosis). Titration: Ziel Serum-Pi im unteren Normbereich für Alter. Anpassung in 0,4 mg/kg-Schritten. Erwachsene: 1 mg/kg q4w (max. 90 mg). Monitoring: Serum-Pi, Calcitriol (nicht >100 pg/ml), Kreatinin, Kalzium, Urin-Kalzium alle 4 Wochen am Anfang.

0,8 mg/kg q2w (Kinder) · 1 mg/kg q4w (Erw.)

✅ Klinische Wirksamkeit

Phase-III-Studien (CL301, ACROBAT-PIVOT): Signifikante Verbesserung der Rachitis (RGI-C-Score), Serum-Pi-Normalisierung, Calcitriol-Anstieg, Körpergröße. Deutliche Reduktion der Schmerzscores. Kaum Nephrocalcinose-Neuauftreten. Verbesserte Gehfähigkeit (6-Minuten-Gehtest) bei Erwachsenen. Zahn-/Dentindefekte werden durch Burosumab nicht verhindert.

⚠️ Kontraindikationen & NW Burosumab

KI: Gleichzeitige orale Phosphat-/Calcitriol-Gabe (→ Hyperphosphatämie, Hyperkalzämie, Verkalkungen!). Cave Nephrokalzinose durch Calcitriol-Überschuss. NW: Injektionsstellenreaktionen, Zahnanomalie, Extremitätenschmerzen, Restless Legs (selten), Überempfindlichkeit. Keine HPT-Förderung (anders als konventionell).

Konventionelle Therapie: Phosphat + Calcitriol

💊 Orales Phosphat

Kaliumphosphat oder Natriumphosphat oral. Dosis: 20–40 mg/kg/Tag in 4–6 Einzeldosen (wegen kurzer Halbwertszeit!). Einnahme zu den Mahlzeiten reduziert GI-Nebenwirkungen. NW: Diarrhö, Übelkeit, Bauchkrämpfe. Gastrointestinale Verträglichkeit limitierend.

K-Phosphat / Na-Phosphat · 20–40 mg/kg/d

☀️ Aktives Vitamin D (Calcitriol)

Calcitriol (1,25(OH)₂D3) stimuliert intestinale Phosphat- und Kalziumresorption. Dosis: 20–30 ng/kg/Tag in 2 Dosen. Ziel: Phosphat im unteren Normbereich, kein HPT, keine Hyperkalziurie! Cave: Enge therapeutische Breite! Regelmäßiges Monitoring Kalzium, Urin-Kalzium, Nierenfunktion, Nierensonographie.

Calcitriol 20–30 ng/kg/d · 2× täglich

⚖️ Wann konventionell vs. Burosumab?

Burosumab bevorzugt bei: aktiver Rachitis, Wachstumsphase, schlechter konventioneller Compliance, Nephrocalcinose unter konventionell, Erwachsene mit Osteomalazie/Schmerzen. Konventionell: wenn Burosumab nicht erstattet/verfügbar; Bridging; ggf. Adoleszenz nach Wachstumsabschluss. Kein simultaner Einsatz!

📋 Burosumab-Umstellung

Wechsel konventionell → Burosumab: Orale Phosphat-/Calcitriol-Therapie mindestens 1 Woche vor Burosumab-Start absetzen (Cave Hyperphosphatämie/Hyperkalziurie). Nach Absetzen Pi-Monitoring. Burosumab-Start nach Normalisierung. Engmaschiges Monitoring in ersten 4 Wochen.

Orthopädische und chirurgische Therapie

🦵 Korrekturosteotomie

Indikation: Schwere Achsfehlstellung (mechanische Achsenabweichung >10°), funktionelle Einschränkung trotz medikamentöser Therapie. Timing: Nach Abschluss des Wachstums oder temporäre Epiphysiodese (8-Plate) im Wachstumsalter. Präoperative Optimierung der Mineralisierung durch Intensivierung der Therapie (Burosumab). Rezidivrisiko bei fortgesetzter Wachstumsphase!

🔩 Temporäre Epiphysiodese (8-Plate)

Minimalinvasive Führung des Knochenwachstums durch Stapling oder 8-Plate-System an medialer Wachstumsfuge. Bei aktivem Wachstum und Genu varum/valgum. Kombination mit medikamentöser Therapie. Entfernung nach Achskorrektur. Vorteil: reversibel, geringer Eingriff. Cave: Überschießende Korrektur.

🦷 Zahnärztliche Betreuung

Lebenslange intensive Zahnarztbegleitung obligat! Frühzeitige Fissurenversiegelung. Dentale Sanierung bei Abszessen. Orale Hygiene-Schulung. Fluoridzusätze. Cave: Extraktionen sorgfältig planen (erhöhtes Abszessrisiko). Kieferorthopädische Begleitung. Dentale Implantate im Erwachsenenalter möglich.

🏃 Physiotherapie & Rehabilitation

Muskelkräftigung (reduzierte Muskelmasse bei XLH), Gangschulung, Hilfsmittelversorgung (Einlagen, Orthesen). Schmerztherapie multimodal. Wassergymnastik. Ergotherapie. Physikalische Therapie bei Enthesiopathien (Stoßwelle). Psychologische Begleitung bei chronischen Schmerzen.

Therapie anderer Hypophosphatämie-Formen

🟢

HHRH (SLC34A3)

Hohes Calcitriol, Hyperkalziurie. Therapie: Hochdosiertes orales Phosphat allein (kein Calcitriol!); ggf. Thiaziddiuretika zur Reduktion der Hyperkalziurie. Kein Burosumab (Gefahr der Hyperkalziurie-Verstärkung).

🟡

Fanconi-Syndrom

Behandlung der Grundkrankheit (Cystinose → Cysteamin, Wilson → D-Penicillamin etc.). Phosphat + Calcitriol + Bikarbonat. Nierenersatztherapie bei Fortschreiten.

🔴

TIO (Tumorinduzierte Osteomalazie)

Kurative Tumorresektion (FGF23-sezernierender Tumor). Bis zur Lokalisation: Pi + Calcitriol oder Burosumab (off-label). Lokalisation: FDG-PET/CT + Octreotid-Szintigraphie + Katheter-Blutproben.

🔵

CYP27B1 / VDR-Defekte

VDDR Typ 1: Calcitriol-Ersatz (niedrige Dosen ausreichend). VDDR Typ 2 (VDR-Defekt): Sehr hohe Calcitriol-Dosen oder prolongierte i.v.-Kalzium-Infusionen nötig. Knochenmarktransplantation experimentell.

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Monitoring & Transition

Regelmäßiges interdisziplinäres Monitoring ist bei XLH und verwandten Hypophosphatämien lebenslang essentiell – sowohl zur Therapiesteuerung als auch zur Früherkennung von Komplikationen (Nephrocalcinose, HPT, Enthesiopathie, Spinalkanalstenose).

Labormonitoring unter Therapie

Alle 3 Monate

Serum-Phosphat

Ziel: altersadaptierter unterer Normbereich. Nicht überkorrigieren (Hyperphosphatämie vermeiden). Morgens nüchtern oder 2h postprandial standardisieren.

Alle 3 Monate

Alkalische Phosphatase (AP)

Rückgang zeigt Rachitis-Heilung an. Bei Burosumab: rasche Normalisierung erwartet. Persistierend hohe AP → unzureichende Therapie.

Alle 3–6 Monate

Kalzium, PTH, Calcitriol

Überwachung auf HPT (sek./tert.). Calcitriol unter Burosumab nicht >100 pg/mL. PTH ↑↑ → Calcitriol-Dosisanpassung oder HPT-Chirurgie (tertär).

Alle 6 Monate

Urin-Kalzium/-Kreatinin

Hyperkalziurie-Screening (Übers 0,25 mmol/mmol Krea). Unter konventioneller Therapie kritisch für Nephrocalcinose-Risiko. Anpassung Calcitriol-Dosis.

Alle 6–12 Monate

Nierensonographie

Nephrocalcinose-Staging (Grad 0–III). Unter Burosumab deutlich seltener als konventionell. Früherkennung: Therapieanpassung, Nephrologen-Konsil.

Alle 6–12 Monate

Wachstum & Pubertät

Auxiometrie (Länge, Gewicht, BMI), Tanner-Stadien. Wachstumsgeschwindigkeit unter Therapie. Knochenalter (1–2-jährlich). Längenprognose.

Alle 12–24 Monate

Röntgen Knie/Handgelenk

Rachitis-Score (RGI-C oder Thacher-Score). Knochenalter. Ganzbein-Standbild: Achsmessung (mechanische Achse, MPTW, LDFW). OP-Planung.

Alle 12–24 Monate

DXA (Knochendichte)

LWS + Gesamtkörper (Kinder), Femur + LWS (Erw.). Z-Score. Verlauf unter Therapie. Osteoporose-Risiko im Erwachsenenalter.

Bei Bedarf

HNO / Audiometrie

Hörminderung bei XLH (sensorineural, konduktiv). Audiogramm bei Symptomen oder ab Schulalter routinemäßig. Frühzeitige Hörgeräteversorgung.

Bei Bedarf

Zahnärztliche Kontrolle

Alle 6 Monate: Kariesverhütung, Dentinstatus, Abszesse. OPG 1–2-jährlich. Kieferorthopädische Beurteilung. Burosumab verhindert Dentindefekte nicht.

Erwachsene: jährlich

Enthesiopathie / MRT Wirbelsäule

Spinale Stenose, Chiari-Malformation, Myelopathie. MRT bei neurologischen Symptomen. Schmerz-Assessment (NRS). Physiotherapie-Anbindung.

Transition (18 Jahre)

Transition zur Erwachsenenmedizin

Strukturierter Übergangsprozess zu Endokrinologe/Nephrologe/Orthopäde adult. Selbstmanagement-Training. Therapiefortsetzung Burosumab. Kostenübernahme sichern.

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Expertenzentren D/A/CH – Pädiatrische Endokrinologie

Die folgende Liste umfasst spezialisierte Pädiatrische Endokrinologinnen und Endokrinologen sowie Zentren in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit Expertise in der Diagnostik und Behandlung des Phosphatdiabetes und verwandter erblicher Knochenstoffwechselerkrankungen. Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

🇩🇪 Deutschland
Prof. Dr. med. Dieter Haffner
Pädiatrische Nephrologie & Endokrinologie
Medizinische Hochschule Hannover (MHH)
Klinik für Pädiatrische Nieren-, Leber- und Stoffwechselkrankheiten
HANNOVER · Niedersachsen
XLH-Erstbeschreiber zentraler Leitlinien; Phosphatdiabetes, PHEX-Genetik, Burosumab-Studien, renale Osteopathie, Nephrocalcinose, Nierentransplantation Kinder
XLHBurosumabForschungNephrologie
Prof. Dr. med. Eckhard Schönau
Pädiatrische Endokrinologie & Osteologie
Universitätsklinikum Köln
Klinik für Kinder- und Jugendmedizin
KÖLN · NRW
Kinderdiabetes und Knochenstoffwechsel, Rachitis-Diagnose, Osteogenesis imperfecta, DXA-Expertise, Calcium-/Phosphatstoffwechsel, Kleinwuchs
RachitisKnochenDXA
PD Dr. med. Oliver Semler
Pädiatrische Osteologie & Endokrinologie
Universitätsklinikum Köln
Schwerpunkt seltene Knochenerkrankungen
KÖLN · NRW
XLH, Osteogenesis imperfecta, seltene Knochenerkrankungen, Bisphosphonattherapie Kinder, Knochendichtemessung, molekulare Osteologie
XLHOIKnochen
Prof. Dr. med. Heiko Krude
Pädiatrische Endokrinologie & Diabetologie
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Klinik für Pädiatrische Endokrinologie, Otto-Heubner-Zentrum
BERLIN
Seltene endokrine Erkrankungen, Phosphatstoffwechsel, Hypothyreose, Hypophysenstörungen, Nebennierenerkrankungen, molekulare Diagnostik
EndokrinologieDiagnostik
Prof. Dr. med. Helmuth-Günther Dörr
Pädiatrische Endokrinologie
Universitätsklinikum Erlangen
Kinder- und Jugendklinik
ERLANGEN · Bayern
Wachstumsstörungen, Rachitis-Formen, Kleinwuchs, Pubertas praecox, Hypogonadismus, Knochenalterdiagnostik, XLH im Kindesalter
RachitisWachstum
Prof. Dr. med. Berthold Koletzko
Pädiatrie, Ernährung & Stoffwechsel
LMU Klinikum München
Dr. von Haunersches Kinderspital
MÜNCHEN · Bayern
Metabolische Knochenerkrankungen, Vitamin-D-Stoffwechsel, Mineralstoffwechsel Kinder, nutritive Rachitis, Differenzialdiagnostik
ErnährungKnochen
Prof. Dr. med. Klaus-Peter Zimmer
Pädiatrische Gastroenterologie & Endokrinologie
Universitätsklinikum Gießen
Allgemeine Pädiatrie und Neonatologie
GIESSEN · Hessen
Malabsorption, Fanconi-Syndrom, tubuläre Erkrankungen, Rachitis-Differenzialdiagnosen, Phosphatstoffwechsel, seltene Stoffwechselerkrankungen
FanconiDifferenzialdiagnose
PD Dr. med. Jan Lehnert
Pädiatrische Nephrologie & Osteologie
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)
Klinik für Kinder- und Jugendmedizin
HAMBURG
XLH, tubuläre Phosphatstörungen, renale Osteopathie, Burosumab-Therapie, pädiatrische Nephrologie, Nephrocalcinose-Management
XLHBurosumabNephrologie
Prof. Dr. med. Markus Bettendorf
Pädiatrische Endokrinologie & Diabetologie
Universitätsklinikum Heidelberg
Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin
HEIDELBERG · Baden-Württemberg
Seltene endokrine Erkrankungen, Phosphatstoffwechsel, Hypoparathyreoidismus, Rachitis-Formen, angeborene Schilddrüsenstörungen, Hypophysen
EndokrinologiePhosphat
Prof. Dr. med. Reinhard Holl
Pädiatrische Endokrinologie, DPV-Register
Universität Ulm
Institut für Epidemiologie und Medizinische Biometrie
ULM · Baden-Württemberg
DPV-Register, seltene endokrine Erkrankungen Epidemiologie, Versorgungsforschung, Phosphatstoffwechsel, Wachstumsstörungen, Diabetes
RegisterEpidemiologie
Dr. med. Susanne Bechtold-Dalla Pozza
Pädiatrische Endokrinologie & Diabetologie
LMU Klinikum München
Dr. von Haunersches Kinderspital
MÜNCHEN · Bayern
XLH und Rachitis-Differenzialdiagnosen, Wachstumsstörungen, Turner-Syndrom, Pubertas praecox, Burosumab-Therapiesteuerung, seltene Endokrinopathien
XLHWachstumBurosumab
Prof. Dr. med. Joachim Rohrer
Pädiatrische Endokrinologie & Diabetologie
Universitätsklinikum Frankfurt
Zentrum der Kinderheilkunde
FRANKFURT AM MAIN · Hessen
Rachitis-Diagnose, Phosphatstoffwechsel, Wachstumsstörungen, Adrenogenitales Syndrom, Hypophysenachse, seltene angeborene Endokrinopathien
RachitisEndokrinologie
🇦🇹 Österreich
Univ.-Prof. Dr. Gabriele Haeusler
Pädiatrische Endokrinologie
Medizinische Universität Wien
Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde (AKH)
WIEN
Seltene endokrine Erkrankungen, Rachitis-Formen, Phosphatstoffwechsel, XLH, Wachstumsstörungen, Turner-Syndrom, ENDO-ERN-Mitglied
XLHENDO-ERNRachitis
Univ.-Prof. Dr. Klaus Kapelari
Pädiatrische Endokrinologie
Medizinische Universität Innsbruck
Univ.-Klinik für Pädiatrie
INNSBRUCK · Tirol
Wachstumsstörungen, Rachitis-Differenzialdiagnostik, Phosphatstoffwechsel, Kleinwuchs, Hypogonadismus, Turner-Syndrom, westösterreichisches Zentrum
RachitisWachstumPhosphat
Assoz.-Prof. Dr. Christian Riedl
Pädiatrische Nephrologie
Medizinische Universität Wien
Klinische Abteilung für Pädiatrische Nephrologie
WIEN
Tubuläre Phosphatstörungen, Fanconi-Syndrom, renale Osteopathie, XLH nephrologisch, Nephrocalcinose, tubulopathie Diagnostik
NephrologieTubulopathieXLH
Prim. Dr. Daniela Freidl
Pädiatrie & Endokrinologie
Kepler Universitätsklinikum Linz
Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde
LINZ · Oberösterreich
Seltene endokrine Erkrankungen OÖ, Wachstumsstörungen, Rachitis, Phosphatstoffwechsel, Schilddrüse, AGS, XLH-Versorgung Oberösterreich
RachitisEndokrinologie
Prof. Dr. Wolfgang Sperl
Pädiatrische Endokrinologie & Stoffwechsel
Paracelsus Medizinische Privatuniversität
Universitätsklinik Salzburg
SALZBURG
Stoffwechselerkrankungen, seltene angeborene Erkrankungen, Rachitis, Phosphatstoffwechsel, mitochondriale Erkrankungen, Fanconi-Syndrom
StoffwechselRachitis
🇨🇭 Schweiz
Prof. Dr. med. Christa Flück
Pädiatrische Endokrinologie
Inselspital Bern
Universitätsklinik für Kinderheilkunde (PEDENDO)
BERN
XLH und seltene Knochenerkrankungen, PHEX-Diagnostik, molekulare Endokrinologie, Phosphatstoffwechsel, DSD, Nebennierenerkrankungen, Burosumab
XLHForschungBurosumab
Prof. Dr. med. Urs Zumsteg
Pädiatrische Endokrinologie
Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB)
BASEL
Rachitis-Formen, Phosphatstoffwechsel, Wachstumsstörungen, XLH-Management, Osteologie Kinder, Calcium-Phosphat-Stoffwechsel, Knochenalterdiagnostik
RachitisXLHWachstum
Dr. med. Monika Fluri
Pädiatrische Endokrinologie
Kinderspital Zürich – Eleonorenstiftung
Abteilung Endokrinologie
ZÜRICH
Seltene endokrine Erkrankungen, XLH und Rachitis-Differenzialdiagnostik, Phosphatstoffwechsel, Wachstumsstörungen, Hashimoto, Diabetes Kinder
XLHEndokrinologie
Prof. Dr. Jardena Puder
Pädiatrische Endokrinologie & Metabolismus
CHUV Lausanne
Service d'endocrinologie pédiatrique
LAUSANNE · Vaud
Seltene endokrine und metabolische Erkrankungen, Phosphatstoffwechsel, Rachitis-Differenzialdiagnose, Adipositas, Diabetes, Westschweizer Zentrum
EndokrinologiePhosphatWestschweiz
Prof. Dr. med. Eugen Schönle
Pädiatrische Endokrinologie (em.)
Ostschweizer Kinderspital
St. Gallen
ST. GALLEN
Rachitis und Phosphatstoffwechsel, XLH langjährige Expertise, Wachstumsstörungen, Schilddrüsenerkrankungen, seltene endokrine Erkrankungen Ostschweiz
RachitisXLHErfahrung
PD Dr. med. Nicole Sekarski
Pädiatrische Kardiologie & Endokrinologie
CHUV Lausanne
LAUSANNE · Vaud
Interdisziplinäre seltene Erkrankungen, angeborene Knochendefekte, kardiologische Komplikationen bei Mineralstoffwechselstörungen, Westschweiz
InterdisziplinärWestschweiz

Fachgesellschaften, Register & Selbsthilfe

🏅

DGKED (Deutschland)

Deutsche Gesellschaft für Kinderendokrinologie und Diabetologie. Experten-Netzwerk für seltene Knochen- und Phosphatstoffwechselstörungen. www.dgked.de

🌍

ESPE (European Society for Paediatric Endocrinology)

Internationale Leitlinien zu XLH und Rachitis-Formen. Konsensusdokumente. www.eurospe.org

🦴

ENDO-ERN (EU Referenznetz)

XLH als seltene endokrine Erkrankung erfasst. Europäisches Expertennetz. Fallkonferenzen über Ländergrenzen. www.endo-ern.eu

👨‍👩‍👧

XLH Network (International)

Internationale Patientenorganisation für XLH. Betroffene, Eltern, Forschungsförderung. www.xlhnetwork.org

🇩🇪

Selbsthilfe Phosphatdiabetes (D)

Deutsche Selbsthilfegruppe für Betroffene und Familien. Vernetzung, Erfahrungsaustausch, Rechtsberatung (Kostenübernahme Burosumab). ACHSE e.V.: www.achse-online.de

📊

PROMISE-Register (XLH)

Internationales Langzeit-Register für XLH-Patienten unter Burosumab (Kyowa Kirin). Therapiedaten, Sicherheit, Effektivität. Partizipierende Zentren D/A/CH.

🔬

DGKJ Leitlinie Rachitis

Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin. Leitlinie zur Rachitis-Diagnostik und -Therapie. www.dgkj.de

🧬

ORPHANET

Europäische Datenbank für seltene Erkrankungen. XLH: ORPHA:89936. Zentren-Verzeichnis, Leitlinien, Patientenorganisationen. www.orpha.net