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Grundlagen & Schilddrüsenphysiologie

Die Schilddrüse ist eine der wichtigsten endokrinen Drüsen und produziert die Schilddrüsenhormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3), die nahezu jede Körperzelle beeinflussen. Für das Wachstum, die Hirnentwicklung und den Stoffwechsel im Kindesalter sind Schilddrüsenhormone unverzichtbar – insbesondere in den ersten Lebensjahren ist ein ausreichender Hormonstatus für eine normale kognitive Entwicklung essenziell.

HPT-Achse (Hypothalamus–Hypophyse–Schilddrüse): TRH (Thyreotropin-Releasing-Hormon) aus dem Hypothalamus stimuliert die Hypophyse zur TSH-Sekretion (Thyreoidea-stimulierendes Hormon). TSH stimuliert die Schilddrüse zur T4/T3-Produktion. T4/T3 hemmen über negativen Feedback TRH und TSH. TSH ist der sensibelste Parameter für die Schilddrüsenfunktion.

Schilddrüsenhormone – Synthese und Wirkung

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T4 (Thyroxin, Levothyroxin)

Hauptsekretionsprodukt der Schilddrüse. Prohormonal: wird peripher zu T3 (aktive Form) durch Deiodasen (DIO1/2) umgewandelt. Halbwertszeit: ~7 Tage. 99 % proteingebunden (TBG, Transthyretin, Albumin).

T3 (Trijodthyronin)

Biologisch aktive Form (3–5× potenter als T4). Hauptsächlich aus T4-Konversion. HWZ: ~1–2 Tage. Wirkt direkt auf Kernrezeptoren (TR-α, TR-β). Steuert Grundumsatz, Herzfunktion, Wachstum, Hirnentwicklung.

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rT3 (reverses T3)

Inaktives Isomer, entsteht v.a. bei Stress/Krankheit (Euthyroid-Sick-Syndrom). Normaler TSH trotz erniedrigtem T3/T4 möglich. Diagnostisch selten relevant; Interpretation immer im klinischen Kontext.

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Jodbedarf im Kindesalter

Säuglinge: 90 µg/Tag · Kleinkinder: 90–120 µg/Tag · Schulkinder: 120 µg/Tag · Jugendliche: 150 µg/Tag · Schwangere: 250 µg/Tag. Jodmangel → endemischer Kropf, angeborene Hypothyreose, Kretinismus.

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Schilddrüsenentwicklung

Anlage ab 4. SSW aus Foramen caecum. Descensus entlang des Ductus thyreoglossus. Abschluss Organogenese ~12. SSW. Fehler → Agenesie, Hypoplasie, Ektopie, Persistenz Ductus thyreoglossus. Fetale TSH-Produktion ab 12. SSW.

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Neonatale TSH-Dynamik

Physiologischer TSH-Surge unmittelbar nach Geburt (bis 70–80 mU/l in ersten Stunden!). Normalisierung innerhalb 3–5 Tage. Screening-Zeitpunkt 36–72 h berücksichtigt dies. Frühgeborene: TSH-Dynamik abweichend, späteres Screening oder Wiederholung nötig.

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Klassifikation der Schilddrüsenerkrankungen

Erkrankung TSH fT4/fT3 Häufigkeit Altersgruppe
HYPOTHYREOSE
Konnatale Hypothyreose (permanent)↑↑1 : 2.000–4.000Neugeborenes
Transiente konnatale Hypothyreose↓/→~1 : 50.000Neugeborenes (selbstlimitierend)
Hashimoto-Thyreoiditis (AIT)↑ / →↓ / →1–2 % Schulkinder/JugendlicheSchulalter, Pubertät
Latente HypothyreoseHäufig, variabelAlle Altersgruppen
Zentrale Hypothyreose→ / ↓Selten; 1 : 16.000–100.000Alle Altersgruppen
HYPERTHYREOSE
Morbus Basedow (Graves' Disease)↓↓↑↑1–2 : 100.000 Kinder/JahrSchulalter, Pubertät; neonatal
Neonatale Hyperthyreose1–2 % Kinder Graves-MütterNeugeborenes (transient)
Autonomes AdenomSelten im KindesalterJugendliche
McCune-Albright-SyndromSehr seltenKindheit
STRUMA / KNOTEN
Euthyreote Struma (Jodmangel)Rückläufig in D (Jodsalz)Adoleszenz, v.a. Mädchen
Solitärer Schilddrüsenknoten→ / ↓→ / ↑~1–2 % Kinder; häufiger JugendlicheAlle Altersgruppen
SchilddrüsenkarzinomSeltenste pädiatrische MalignitätJugendliche, selten < 10 J.
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Konnatale Hypothyreose

Die konnatale Hypothyreose (KH) ist die häufigste behandelbare Ursache von mentaler Retardierung. Dank des flächendeckenden Neugeborenenscreenings ist schwere kognitive Beeinträchtigung heute nahezu vollständig vermeidbar – vorausgesetzt, die Therapie beginnt innerhalb der ersten 2 Lebenswochen.

1 : 3.000
Häufigkeit konnatale Hypothyreose in Deutschland (permanente + transiente Formen)
75–85 %
Schilddrüsendysgenesie als häufigste Ursache (Ektopie, Aplasie, Hypoplasie)
10–15 %
Dyshormonogenese (Enzymdefekte der Hormonsynthese)
2 Wochen
Kritisches Zeitfenster: Therapiebeginn innerhalb 2 Wochen sichert normale Intelligenzentwicklung

Neugeborenenscreening – Ablauf

SCHRITT 1
Blutentnahme
Ferse/Vene · 36–72 h nach Geburt · Trockenblut-Filterpapier
SCHRITT 2
TSH-Messung
Immunoassay aus Trockenblut · Grenzwert: 10–20 mU/l (laborabhängig)
SCHRITT 3 (Recall)
Positives Screening
Sofort Kontakt Eltern + Kinderarzt · Serum-TSH + fT4 · DRINGEND
SCHRITT 4
Konfirmation
Serum TSH ↑ + fT4 ↓ = konnatale Hypothyreose bestätigt
SCHRITT 5
Therapiebeginn
L-Thyroxin SOFORT (noch vor Ätiologie-Abklärung!) · Dosis 10–15 µg/kg/d

⚠ Kritischer Hinweis: Bei positivem Screening und Bestätigung im Serum muss die Levothyroxin-Therapie sofort begonnen werden – noch bevor die Ursachendiagnostik (Szintigraphie, Sonographie, Genetik) abgeschlossen ist. Jeder Tag Verzögerung erhöht das Risiko einer kognitiven Beeinträchtigung.

Ursachen & Formen der konnatalen Hypothyreose

SCHILDDRÜSENDYSGENESIE (~75–85 %)

  • Schilddrüsenektopie (häufigste Form, ~50 %; meist zungenbasal)
  • Schilddrüsenaphasie / -agenesie (~20 %; schwerste Form)
  • Schilddrüsenhypoplasie (~5 %)
  • Hemithyreoidea / einseitige Aplasie
  • Meist sporadisch; seltener genetisch (PAX8, NKX2-1, FOXE1)
  • Mädchen häufiger betroffen (2:1)

DYSHORMONOGENESE (~10–15 %)

  • TPO-Defekt (Thyreoperoxidase, häufigste Dyshormonogenese)
  • NIS-Defekt (Natriumjodid-Symporter)
  • Thyroglobulin-Defekt (TG-Mutationen)
  • DUOX2/DUOXA2-Defekt (oft transient)
  • Pendrin-Defekt (Pendred-Syndrom: + Innenohrprobleme)
  • DEHAL1-Defekt (Dehalogenase)
  • Autosomal-rezessiver Erbgang; oft Struma!

ZENTRALE HYPOTHYREOSE (selten)

  • TSH-Mangel (isoliert oder im Rahmen Panhypopituitarismus)
  • TRH-Mangel / TRH-Rezeptor-Defekt
  • PROP1, POU1F1, HESX1-Mutationen
  • TSH-β-Untereinheitsmutation (sehr selten)
  • TSH nicht erhöht! → Im Standard-Screening NICHT erkannt
  • Erweiterte Screening-Programme für zentrale Formen nötig

TRANSIENTE HYPOTHYREOSE

  • Maternale TSH-Rezeptor-blockierende AK (TRAb inhibitorisch)
  • Jodexposition (Desinfektionsmittel, Kontrastmittel)
  • Jodmangel der Mutter
  • DUOX2/DUOXA2 heterozygot (milde transiente Form)
  • Frühgeburtlichkeit (unreife HPT-Achse)
  • Therapiedauer 6–24 Monate; dann Auslaßversuch

Klinische Zeichen der konnatalen Hypothyreose (vor Screening)

Dank des Screenings werden heute kaum noch Neugeborene mit klinisch manifester KH diagnostiziert. Historisch und bei Screening-Versäumnissen oder milder Form können folgende Zeichen auftreten:

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Neonatal

Verlängerte Neugeborenengelbsucht, große Fontanelle, Makroglossie, Muskelhypotonie, Ödeme, raue Haut, heiseres Schreien, Trinkschwäche, Obstipation, geblähtes Abdomen, Nabelhernie

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Unbehandelt (historisch)

Kretinismus: schwere geistige Behinderung, Wachstumsretardierung, Taubstummheit, Spastik. Heute durch Screening nahezu vollständig vermeidbar!

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Späterkennung

Wachstumsstillstand, Knochenalter stark retardiert, motorische Verzögerung, Schulschwierigkeiten – bei milder oder spät diagnostizierter KH

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Klinische Symptome

Erworbene Hypothyreose – Klinik

ALLGEMEINSYMPTOME

  • Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Konzentrationsstörungen
  • Kälteintoleranz
  • Gewichtszunahme (trotz normaler Ernährung)
  • Obstipation
  • Trockene, teigige Haut; Myxödem
  • Brüchige Haare und Nägel; Haarausfall
  • Heisere, tiefe Stimme
  • Verlangsamte Reflexe (Achillessehnenreflex verzögert)

WACHSTUM & PUBERTÄT

  • Wachstumsstillstand / Kleinwuchs
  • Knochenalter stark retardiert
  • Gewichtszunahme trotz Kleinwuchs (wichtiger Hinweis!)
  • Verzögerter Zahndurchbruch
  • Pubertas tarda (verzögerte Pubertät)
  • Bei ausgeprägter Hypothyreose auch Pubertas praecox möglich (Van Wyk-Grumbach)
  • Amenorrhoe / Menstruationsstörungen

KARDIOVASKULÄR & METABOLISCH

  • Bradykardie
  • Perikarderguß (selten, bei schwerer Hypothyreose)
  • Erhöhte Cholesterin-/LDL-Werte
  • Hyponatriämie (schwere Hypothyreose)
  • Mäßige CPK-Erhöhung (Muskel)
  • Anämie (normochrom/normozytär)

NEUROLOGISCH & PSYCHISCH

  • Schulleistungsabfall
  • Gedächtnisstörungen, verlangsamtes Denken
  • Depression / emotionale Labilität
  • Carpal-Tunnel-Syndrom (selten bei Kindern)
  • Bei KH: kognitive Entwicklungsverzögerung (unbehandelt)
  • Zerebelläre Ataxie (Kocher-Debré-Sémélaigne: Pseudohypertrophie)

Hyperthyreose / Morbus Basedow – Klinik

ALLGEMEINSYMPTOME HYPERTHYREOSE

  • Unruhe, Reizbarkeit, emotionale Labilität
  • Herzklopfen, Palpitationen, Tachykardie
  • Wärmeunverträglichkeit, Schwitzen
  • Gewichtsverlust trotz gesteigerten Appetits
  • Durchfall, häufige Stuhlgänge
  • Tremor (fein, v.a. Hände)
  • Schlafstörungen, Hyperaktivität
  • Schulleistungsabfall trotz Unruhe

MORBUS BASEDOW – SPEZIFISCHE ZEICHEN

  • Struma diffusa (tastbar/sichtbare Schilddrüsenvergrößerung)
  • Exophthalmus / endokrine Orbitopathie (seltener als bei Erwachsenen)
  • Lidretraktion, Lid-Lag-Zeichen
  • Prätibiales Myxödem (sehr selten bei Kindern)
  • Akropachie (sehr selten)
  • Positive TRAK (TSH-Rezeptor-Antikörper)
  • Beschleunigtes Längenwachstum + Knochenalter-Advancement

Hashimoto-Thyreoiditis (AIT) – Besonderheiten im Kindesalter

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Klinisches Spektrum

Häufigste Schilddrüsenerkrankung im Schulalter/Pubertät. Spektrum: euthyreot (40–50 %), latente Hypothyreose (30–40 %), manifeste Hypothyreose (10–20 %), initial Hyperthyreose (Hashitoxikose, 5–10 %).

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Hashimoto-Enzephalopathie

Seltene Komplikation: neurologische Symptome (Krampfanfälle, Myoklonus, Bewusstseinsstörungen, Psychose) bei Hashimoto, unabhängig vom Hormonstatus. Erhöhte Anti-TPO-AK. Steroidsensitiv.

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Assoziierte Erkrankungen

Typ-1-Diabetes (15–30 %), Zöliakie, Vitiligo, Morbus Addison, Turner-Syndrom (höhere AIT-Rate), Down-Syndrom, andere Autoimmunerkrankungen. Regelmäßiges Screening empfohlen.

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Natürlicher Verlauf

Sehr variabel. ~50 % bleiben euthyreot langfristig. ~20 % spontane Normalisierung der AK. Progressive Hypothyreose bei ~30 % über Jahre. Regelmäßige Kontrollen obligat.

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Diagnostik

  1. TSH als primärer Screening-Parameter TSH ist der sensibelste Parameter der Schilddrüsenfunktion. Erhöht bei primärer Hypothyreose (Schilddrüse versagt, Hypophyse arbeitet kompensatorisch mehr). Erniedrigt bei Hyperthyreose oder zentraler Hypothyreose. TSH allein reicht oft für Screening; bei pathologischem TSH immer fT4 und ggf. fT3 ergänzen.
  2. fT4 und fT3 (freie, ungebundene Hormone) fT4 = Produkt der Schilddrüse, langer Regelkreis. fT3 = aktive Form, schneller reagierend. Bei Verdacht auf Hyperthyreose und normalem fT4: fT3 prüfen (T3-Toxikose möglich). Bei zentraler Hypothyreose: TSH normal/niedrig + fT4 erniedrigt.
  3. Schilddrüsen-Autoantikörper TPO-AK (Anti-Thyreoperoxidase): positiv bei Hashimoto (95 %) und Basedow (50–80 %). Anti-Tg-AK (Anti-Thyreoglobulin): positiv bei Hashimoto (70 %), auch beim DTC. TRAK (TSH-Rezeptor-AK): Basedow-Diagnose (Sensitivität >95 %). Stimulierende TRAK → Hyperthyreose; inhibitorische TRAK → neonatale Hypothyreose bei betroffener Mutter.
  4. Schilddrüsen-Sonographie Morphologie, Größe (altersadaptierte Normwerte!), Echotextur, Vaskularisation (Doppler). Hashimoto: echorearm, inhomogen, lymphozytäre Infiltrate. Knoten: Anzahl, Größe, Malignitätskriterien (EU-TIRADS 1–5). Sofort bei tastbarer Struma oder Knoten.
  5. Spezialdiagnostik je nach Verdacht Szintigraphie (Tc-99m): Ektopie-Nachweis, Autonomie-Diagnostik, Knotenaktivität. Feinnadelaspiration (FNA): Malignitätsverdacht bei Knoten. Jodausscheidung im Urin: Jodversorgung der Population. Perkhlorate-Abklingtest: Dyshormonogenese. Genetik: bei persistierender KH, Dyshormonogenese-Verdacht, Syndromdiagnostik.

Labordiagnostik – Referenzwerte & Interpretation

ParameterMethodeReferenzbereichKlinische BedeutungBesonderheit Kinder
TSHECLIA / CLIA, 3. Generation0,5–4,5 mU/l (erwachsen); altersabhängig NB höherPrimärparameter; TSH ↑ = primäre Hypothyreose; TSH ↓ = Hyperthyreose/zentralNeugeborene: Normbis 10 mU/l (48–72 h); Frühgeborene abweichend
fT4 (freies Thyroxin)ECLIA / Immunoassay10–25 pmol/l (methodenabhängig)Bestätigt Hypothyreose/Hyperthyreose. Bei TSH ↑ + fT4 ↓: manifeste Hypothyreose. TSH ↑ + fT4 →: latente HypothyreoseNeugeborene: höhere Normwerte (Reifungsabhängig)
fT3 (freies Trijodthyronin)ECLIA / Immunoassay3,5–6,5 pmol/lT3-Toxikose: fT3 ↑ bei normalem fT4. T3-Mangel bei chron. Erkrankung (Euthyroid sick)Selten als Primärdiagnostik nötig
TPO-AK (Anti-TPO)ECLIA< 35 U/ml (laborabhängig)Hashimoto (↑↑), Basedow (↑). Titer korreliert nicht mit Schwere der ErkrankungPositive AK ohne Funktionsstörung häufig; AK allein ≠ Therapieindikation
Anti-Tg (Anti-Thyreoglobulin)ECLIA< 115 U/ml (laborabhängig)Hashimoto (70 %), DTC-Nachsorge (stört Thyreoglobulin-Messung!)Weniger spezifisch als TPO-AK; zusätzlicher Wert bei seroneg. Hashimoto
TRAK (TSH-Rezeptor-AK)ECLIA (Bioassay für stimulierend/inhibitorisch)< 1,75 IU/l (methodenabhängig)Basedow-Diagnose (>95 % Sensitivität). Monitoring unter Therapie. Neonatales Risiko bei MutterBei Mutter mit Basedow: TRAK in 3. Trimenon messen → Neonatales Risiko!
Thyreoglobulin (Tg)ECLIAAltersabhängig; nach Thyreoidektomie: < 0,2 ng/mlDTC-Nachsorge (Tumormarker nach Thyreoidektomie). Differenzierung Ektopie vs. Agenesie (Tg↑ = Schilddrüsengewebe vorhanden)Neonatal erhöht als Normalbefund
CalcitoninECLIA< 10 pg/mlMedulläres Schilddrüsenkarzinom (MTC). Screening bei famil. MTC/MEN2. Erhöht auch bei C-Zell-HyperplasieObligat bei Familienanamnese MEN2 / RET-Mutation
Cholesterin, LDLEnzymatischAltersabhängigSekundäre Hypercholesterinämie bei Hypothyreose. Normalisierung unter L-T4Hypothyreose-Screening bei unklarer Hypercholesterinämie

Sonographie – EU-TIRADS-Klassifikation bei Knoten

EU-TIRADSBefundMalignitätsrisikoEmpfehlung
1Normaler Befund, kein Knoten0 %Kein FNA
2Benigner Knoten (reines Kolloid, Zyste)0 %Kein FNA; klinische Verlaufskontrolle
3Niedriges Risiko (isoechogen, oval, glatt)2–4 %FNA wenn > 20 mm
4Intermediäres Risiko (hypoechogen oder unregelmäßig)6–17 %FNA wenn > 15 mm
5Hohes Risiko (stark hypoechogen, Mikrokalk, irregulärer Rand, taller-than-wide)26–87 %FNA wenn > 10 mm (immer erwägen)

Szintigraphie – Indikationen im Kindesalter

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Indikation 1: KH-Ätiologie

Nachweis/Ausschluss einer Ektopie. Wichtig für genetische Beratung und Therapiemonitoring. Nach TSH-Normalisierung unter L-T4-Therapie! Tc-99m oder I-123.

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Indikation 2: Knoten-Funktionsbeurteilung

Heiß (autonom) vs. kalt (kein Uptake). Kalter Knoten = erhöhtes Malignitätsrisiko (7–15 % bei Kindern). Nur sinnvoll bei supprimiertem TSH oder vor Therapieentscheidung.

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Indikation 3: Radioiodtherapie

Vor und nach Radioiod-Behandlung (I-131) bei Morbus Basedow oder DTC. Uptake-Messung für Dosiskalkulation. Nur in spezialisierten Zentren mit Strahlenschutzmaßnahmen.

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Molekulargenetische Diagnostik

Genetische Ursachen werden bei ~2–5 % aller konnatalen Hypothyreosen gefunden; bei Dyshormonogenese (Struma, autosomal-rezessiv) und syndromalen Formen häufiger. NGS-Panels für Schilddrüsenerkrankungen ermöglichen eine effiziente Simultananalyse relevanter Gene.

Indikation für genetische Diagnostik: Persistierende konnatale Hypothyreose (nach Auslaßversuch) · Familienanamnese Hypothyreose · Struma (Dyshormonogenese) · Syndromale Begleitbefunde · Bilaterale Aplasie/Dysgenesie (familiäres Risiko 1–2 %) · Zentraler TSH-Mangel · Neonatales Basedow (maternale TRAK) · MTC-Risiko (RET-Mutation).

Gene bei Schilddrüsendysgenesie & Entwicklungsstörungen

GenProtein / FunktionPhänotypErbgangHäufigkeit bei KH
NKX2-1 (TTF-1)Transkriptionsfaktor für SD-Organogenese, Lunge, GehirnHypothyreose + Choreoathetose + respiratorische Probleme (Brain-Thyroid-Lung-Syndrom)AD (de novo)~1–2 % Dysgenesie
FOXE1 (TTF-2)Forkhead-Transkriptionsfaktor; SD-DescentBamforth-Lazarus-Syndrom: Hypothyreose + Gaumenspalte + Choanalatresie + krauses HaarARSehr selten
PAX8Paired-box-Protein; SD- und NierenentwicklungSD-Hypoplasie/-Ektopie; ggf. Nierenfehlbildungen. Variable Expressivität.AD (variable Penetranz)~1 % Dysgenesie
HHEXHematopoietically expressed homeoboxSD-Dysgenesie; Pankreas-Anomalien möglichARSehr selten
NKX2-5Transkriptionsfaktor (Herz + SD)SD-Hypoplasie + Herzfehler (ASD, VSD)ADSehr selten
TSHRTSH-RezeptorInaktivierende Mutationen: Resistenz gegenüber TSH → normale SD, erhöhtes TSH. Hypoplasie bis AplasieAR (homozygot) / AD (heterozygot mild)~1–2 % persistent KH
GLIS3GLI-similar zinc finger 3Kongenitale Hypothyreose + neonataler Diabetes + polyzystische Nieren + GlaukomARSehr selten

Gene bei Dyshormonogenese

GenEnzym / TransporterPhänotypErbgangBesonderheit
TPOThyreoperoxidase (Jodid-Oxidation + Coupling)Schwere Hypothyreose, diffuse Struma, totaler OrganifikationsdefektARHäufigste Dyshormonogenese; Perchlorate-Test positiv
SLC5A5 (NIS)Natriumjodid-Symporter (Jodaufnahme)Hypothyreose, Struma, kein Jod-Uptake szintigraphischARSelten; Technetium-Uptake ebenfalls fehlt
TGThyreoglobulin (Jodprotein-Matrix)Variable Hypothyreose mit Struma; erniedrigtes TgARMolekulargenetisch heterogen; >200 Mutationen bekannt
DUOX2 / DUOXA2Dual-Oxidase 2 / Maturation Factor (H₂O₂-Generierung)Meist transiente (heterozygot) oder permanente Hypothyreose (homozygot). Struma möglich.AR (hom.) / monoallelisch (transient)Häufigste Dyshormonogenese bei transientem Phänotyp
SLC26A4 (Pendrin)Jodid/Chlorid-Transporter in Schilddrüse und OhrPendred-Syndrom: Goiter + Innenohrschwerhörigkeit + Dilatation VestibularaquäduktARHäufigste hereditäre Taubheit mit SD-Beteiligung; Perchlorate-Test oft positiv
DEHAL1 (IYD)Iodotyrosin-Dehalogenase (Jod-Recycling)Hypothyreose + Struma; Jodverlust im Urin erhöht. Selten.ARJodsubstitution kann helfen; Perchlorate-Test negativ

Gene bei Hyperthyreose & Malignom

GenErkrankungPhänotypErbgangKlinische Relevanz
TSHR (aktivierend)Autonomes Adenom / familiäre nichtimmune HyperthyreoseHyperthyreose ohne AK, szintigraphisch heißAD (somatisch oder keimbahn)Differenzierung Basedow vs. Autonomie wichtig für Therapieentscheidung
GNASMcCune-Albright-SyndromPolyostotische Fibröse Dysplasie + Café-au-Lait + Hyperthyreose (+ GH-Exzess, Pubertas praecox)Somatisch (Mosaik)Aktivierende Mutation Gsα; multiple Endokrinopathien möglich
RETMedulläres Schilddrüsenkarzinom (MTC) / MEN2A/BMEN2A: MTC + Phäochromozytom + HPT. MEN2B: MTC + Phäo + Marfanoid + SchleimhautneurinomeAD (Keimbahnmutation)Prophylaktische Thyreoidektomie nach Genotyp-risikoadaptiertem Timing!
BRAF V600EPapilläres Schilddrüsenkarzinom (PTC)Häufigstes SD-Malignom; lymphogene Metastasen; gute PrognoseSomatischBRAF-Inhibitoren bei fortgeschrittenen Fällen; prognostischer Marker
RAS (NRAS, HRAS, KRAS)Follikuläres SD-Karzinom (FTC)Hämatogene Metastasen; Jod-Uptake erhöht; gute PrognoseSomatischRadioiodtherapie effektiv bei RAS-positiven FTC
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Differenzialdiagnostik

Leitsymptom / BefundWichtigste DifferenzialdiagnosenWegweisende Diagnostik
TSH ↑ + fT4 ↓ (manifeste Hypothyreose)Hashimoto (häufigste Ursache im Schulalter), KH (persistent nach Screening), iatrogen (Radiojod, Thyreoidektomie), Medikamente (Amiodaron, Lithium)TPO-AK, Anti-Tg, Anamnese (Medikamente), Sonographie, Szintigraphie (Ektopie?)
TSH ↑ + fT4 → (latente Hypothyreose)Hashimoto früh, Jodmangel, Autoimmunthyreoiditis, nach Entzündung, Erholungsphase nach Erkrankung, MedikamenteTPO-AK, Verlauf, Sonographie. Therapieentscheidung: TSH-Ausmaß + Wachstum + Symptome beachten
TSH → + fT4 ↓ (zentrale Hypothyreose)Hypophysenvorderlappeninsuffizienz (GH-Mangel + TSH-Mangel), Kraniopharyngeom, Radiatio, PROP1/POU1F1-MutationenMRT Hypophyse, komplettes HVL-Profil (GH, ACTH, LH/FSH, PRL), Stimulationstests
TSH ↓ + fT4 ↑ (manifeste Hyperthyreose)Morbus Basedow (häufigste Ursache), Autonomes Adenom, Hashitoxikose, Exogene Hyperthyreose (L-T4-Überdosierung), McCune-AlbrightTRAK (Basedow!), Szintigraphie (autonom vs. diffus), Thyreoglobulin, Exzess-Hormon-Anamnese
Struma diffusaHashimoto (häufigste Ursache), Morbus Basedow, endemische Struma (Jodmangel), physiologische PubertätsstrumaTSH, fT4, TPO-AK, TRAK, Jodurie, Sonographie
Solitärer SchilddrüsenknotenKolloidzyste/adenomatöser Knoten (häufig), follikuläres Adenom, papilläres Karzinom (häufigster pädiatrischer SD-Tumor!), medulläres Karzinom (MEN2?)TSH, Szintigraphie (heiß/kalt), EU-TIRADS-Sonographie, FNA, RET-Gen
Wachstumsstillstand + GewichtszunahmeHypothyreose (erste Ausschlussdiagnose!), Cushing, GH-Mangel, psychosoziale Ursachen, ZöliakieTSH + fT4 (obligat!), Cortisol, IGF-1, anti-tTG-IgA, Knochenalter
Tachykardie + Gewichtsverlust + UnruheMorbus Basedow, Phäochromozytom, Angstzustand/Panikattacken, Stimulanzien (Drogen, Medikamente), HerzrhythmusstörungTSH, fT4, TRAK, Katecholamine/Metanephrine, EKG, Anamnese
Euthyreote Hyperthyroxinämie (fT4 ↑ ohne Symptome)Familial Dysalbuminemic Hyperthyroxinemia (FDH), TBG-Überschuss, Assay-Interferenz, exogene T4-ZufuhrTBG, Albumin, Immunoassay-Wechsel, freies T4 via Gleichgewichtsdialyse
Struma + TaubheitPendred-Syndrom (SLC26A4-Mutationen), endemischer KretinismusAudiometrie, CT Felsenbein (Dilatation Vestibularaquädukt?), SLC26A4-Gen, Perchlorate-Test
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Therapie

Levothyroxin-Therapie (L-T4)

Grundprinzip: Levothyroxin (L-T4, Eutirox®, L-Thyroxin Henning®) ist die Standardsubstitution. Einnahme morgens nüchtern, 30–60 min vor dem Frühstück (oder 3–4 h nach dem letzten Essen). Kalzium, Eisen, Antazida: Resorptionsminderung → zeitlicher Abstand einhalten! Generische und Markenprodukte sind nicht immer bioäquivalent – Produktwechsel sorgfältig monitoren.

AltersgruppeIndikationStartdosisZiel-TSHBesonderheit
Neugeborenes / SäuglingKH (konnatale Hypothyreose)10–15 µg/kg/d (aggressiver Start!)< 5 mU/l (erste 3 Monate); < 2,5 mU/l optimalTablette in Muttermilch/Wasser auflösen; kein Sojaprodukt; häufige Kontrollen alle 2–4 Wochen
Kleinkind (1–5 J.)Hypothyreose4–6 µg/kg/d0,5–4,5 mU/l (altersadaptiert)Knochenalter beobachten; zu hohe Dosis → Tachykardie, Unruhe, Knochendichte ↓
Schulkind (6–12 J.)Hypothyreose (Hashimoto)2–4 µg/kg/d (einschleichend)0,5–3,5 mU/lBei Hashimoto: Therapie erst bei manifester Hypothyreose oder TSH dauerhaft > 10 mU/l
Jugendliche / AdoleszenzHypothyreose (Hashimoto, post-OP)1,5–2 µg/kg/d; post-OP: Vollsubstitution0,5–3,5 mU/l (Suppressions-Therapie bei DTC: TSH < 0,1 mU/l)Compliance-Problem; Einnahmezeiten; Wachstum + Pubertät beachten; Schwangerschaft
Zentrale HypothyreoseTSH-MangelEinschleichend; zunächst ACTH-Substitution!fT4 im oberen Drittel des Normbereichs (TSH nicht verwertbar)ACTH zuerst substituieren (L-T4 kann Addison-Krise auslösen). Adrenale Reserve obligat prüfen!

Therapie der Hyperthyreose – Morbus Basedow

Thyreostatika (Thionamide)

Methimazol (Favistan®, Thiamazol®) – Mittel der ersten Wahl im Kindesalter. Blockiert Schilddrüsenhormonsynthese (TPO-Hemmung). Einmal täglich. Titration nach fT4/fT3. Normalisierung nach 4–8 Wochen.

Dosierung: 0,2–0,5 mg/kg/d; Erhaltung 0,1–0,2 mg/kg/d. Langzeittherapie 1–2 Jahre (Remissionsrate ~30–50 %).

Methimazol (Thiamazol) p.o.

Propylthiouracil (PTU)

Nur noch als Reservemittel! Wegen schwerer Hepatotoxizität (fulminantes Leberversagen) ist PTU im Kindesalter nur noch bei: Thiamazol-Unverträglichkeit, Thyreotoxischer Krise oder 1. Trimenon Schwangerschaft indiziert. Regelmäßige Leberwertkontrollen obligat.

PTU – Reservepräparat!

β-Blocker (Propranolol)

Symptomatische Therapie bei Tachykardie, Tremor, Unruhe. Keine Hormon-Senkung! Adjuvant in Akutphase. Überbrückung bis Thyreostatika wirken. Dosierung: 0,5–1 mg/kg/d (geteilt). Cave: Kontraindikationen (Asthma).

Propranolol p.o. (adjuvant)

Radioiodtherapie (¹³¹I)

Indiziert bei: Rezidiv nach Thyreostatika, Therapieversagen, Unverträglichkeit, fehlende Compliance. Ziel: ablative Dosis → Hypothyreose (dann L-T4-Substitution). Strahlenrisiko bei Kindern umstritten; in Deutschland ab 5 Jahren unter strengen Auflagen. Cave: Schwangerschaft absolut kontraindiziert!

Radioiod I-131

Thyreoidektomie

Chirurgische Entfernung bei: großer Struma, Knotenstruma, Malignom, Radioiod-Kontraindikation, Patientenwunsch. Totale Thyreoidektomie bei DTC + MTC. Subtotal bei Basedow (cave: Rezidiv). Komplikationen: Hypoparathyreoidismus, N. laryngeus recurrens. Erfahrenes Zentrum essenziell!

Totale / subtotale Thyreoidektomie

Kaliumjodid (Lugol'sche Lösung)

Wolff-Chaikoff-Effekt: Kurzzeitige Hemmung der Hormonsynthese durch hohe Joddosen. Einsatz bei Thyreotoxischer Krise (+ PTU + β-Blocker + Steroide) oder präoperativ (Vaskularitätsreduktion). Nicht als Dauermaßnahme!

Kaliumjodid (Lugol) präoperativ / Krise

Therapie Schilddrüsenknoten & Karzinom

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Differenziertes SD-Karzinom (DTC)

Totalthyreoidektomie + ggf. Lymphknotendissektion + Radioiodablation (¹³¹I) + TSH-Suppressionstherapie (L-T4, TSH < 0,1 mU/l). Exzellente 10-Jahres-Überlebensrate > 95 % bei Kindern. Thyreoglobulin als Tumormarker (cave: Anti-Tg-AK stören!)

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Medulläres Karzinom (MTC) / MEN2

RET-Mutation: prophylaktische Thyreoidektomie abhängig vom Risikoprofil (Kodon-Mutation!). MEN2B: Thyreoidektomie im 1. Lebensjahr. Calcitonin als Marker. Vandetanib/Cabozantinib bei fortgeschrittenen Fällen. Genetische Familienuntersuchung obligat!

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BRAF/RET-Inhibitoren

Vemurafenib/Dabrafenib (BRAF V600E) und Selpercatinib/Pralsetinib (RET-Fusion) bei rezidivierten/refraktären pädiatrischen SD-Karzinomen. Zugelassen für Erwachsene; Off-label für Kinder in Studien.

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Zysten & benigne Knoten

Kolloidzysten: Verlaufsbeobachtung oder Sklerotherapie. Ethanol-Injektion bei symptomatischen Zysten. Keine Therapie bei EU-TIRADS 1–2 und kleinen Knoten. Regelmäßige Sonographie alle 6–12 Monate.

Besondere Therapiesituationen

Thyreotoxische Krise (Notfall)

Kombinations-Notfalltherapie: (1) PTU 200–300 mg/d (stark) ODER Methimazol; (2) Kaliumjodid (Lugol) 8–10 Tropfen 3× tägl. NACH Thionamid; (3) Propranolol i.v./p.o.; (4) Hydrocortison 2 mg/kg/d i.v. (hemmt T4→T3-Konversion); (5) ICU-Behandlung, Temperaturmanagement, Flüssigkeit.

Intensivmedizin + PTU + Lugol + Steroide + β-Blocker

Neonatale Hyperthyreose

Durch maternale stimulierende TRAK. Selbstlimitierend (Halbwertszeit maternale AK ~3 Wochen; Dauer ~3–12 Wochen). Therapie: Methimazol + ggf. β-Blocker. Monitoring TRAK und klinisch. Cave: Tachykardie → Herzinsuffizienz möglich!

Methimazol (vorübergehend)

Down-Syndrom + Hypothyreose

Stark erhöhtes Risiko: Hashimoto-Thyreoiditis bei ~15–20 % von Kindern mit Trisomie 21. Jährliches TSH-Screening obligat. Cave: milde TSH-Erhöhung bei euthyreoten Kindern mit Down häufig (biochemische Besonderheit der HPT-Achse). Therapieindikation individuell!

L-Thyroxin (bei manifester Hypothyreose)

Therapiemonitoring Schilddrüse

ParameterFrequenzZielwert / Bemerkung
TSH + fT4 (KH, Säugling)Alle 2–4 Wochen im 1. LebensjahrTSH < 5 mU/l; fT4 im oberen Normbereich. Rasche Dosisanpassung essenziell
TSH + fT4 (KH, Kleinkind)Alle 3–4 Monate bis 3 Jahre, dann alle 6 MonateTSH 0,5–3,5 mU/l; fT4 normal
TSH + fT4 (Hashimoto, stabil)Alle 6 Monate (oder bei Symptomänderung)TSH 0,5–3,5 mU/l; fT4 normal. TPO-AK Titer-Monitoring selten nötig
TSH + fT4 + fT3 (Basedow unter Therapie)Alle 4–8 Wochen initial; dann alle 3 MonateTSH normalisiert; fT4/fT3 im Normbereich. TRAK-Verlauf für Remissionsprognose
Blutbild, Leberenzyme (Thyreostatika)Alle 4–8 Wochen initialAgranulozytose-Früherkennung (Methimazol: Cave!); PTU: Leberwerte
Sonographie (Knoten, Hashimoto)Jährlich; bei Knoten EU-TIRADS 3–4: alle 6 MonateVolumenverlauf, Echogenität, Vaskularisation, Nodularität
Thyreoglobulin (DTC-Nachsorge)3–6-monatlich post-OP; dann jährlich< 0,2 ng/ml unter TSH-Suppression = kein Tumorgewebe nachweisbar
Wachstum, KnochenalterJährlich (bei Kindern unter Hormonsubstitution)Überdosierung L-T4 → Knochenalter-Advancement, Knochendichte ↓, Tachykardie
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Expertenzentren & Spezialisten

Schilddrüsenerkrankungen im Kindes- und Jugendalter erfordern spezialisierte pädiatrisch-endokrinologische Zentren mit Erfahrung in konnataler Hypothyreose, Autoimmunthyreoiditis, Morbus Basedow und pädiatrischen Schilddrüsenkarzinomen. Bei malignen Erkrankungen ist ein interdisziplinäres Tumorboard (Chirurgie, Nuklearmedizin, Pädiatrische Onkologie) unverzichtbar.

Hinweis: Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Personalveränderungen möglich. Aktuelle Liste: www.dgked.de (DGKED) und www.eurospe.org (ESPE). Referenzzentren für konnatale Hypothyreose und genetische SD-Erkrankungen über ENDO-ERN vermittelt.

🇩🇪 Deutschland
Prof. Dr. med. Annette Grüters-Kieslich
Pädiatrische Endokrinologie & Schilddrüse
Charité – Universitätsmedizin Berlin
ehem. Direktorin Institut für Experimentelle Pädiatrische Endokrinologie
BERLIN
Konnatale Hypothyreose, Schilddrüsendysgenesie, Neugeborenenscreening, Dyshormonogenese, Schilddrüsengenetik, internationale Expertise
KH-ExpertinScreeningGenetik
Prof. Dr. med. Heiko Krude
Pädiatrische Endokrinologie & Molekulare Thyreologie
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Institut für Experimentelle Pädiatrische Endokrinologie
BERLIN
Konnatale Hypothyreose, SD-Genetik (NKX2-1, TTF-2, TSHR), Dyshormonogenese, Schilddrüsenentwicklung, POMC-Defekte, molekulare Endokrinologie
KH-GenetikNKX2-1Forschung
Prof. Dr. med. Markus Bettendorf
Pädiatrische Endokrinologie & Schilddrüse
Universitätsklinikum Heidelberg
Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin
HEIDELBERG · Baden-Württemberg
Schilddrüsenerkrankungen Kinder/Jugendliche, KH, Hashimoto, Morbus Basedow, GH-Mangel, Hypophyse
SchilddrüseHashimotoBasedow
Prof. Dr. med. Roland Pfäffle
Pädiatrische Endokrinologie
Universitätsklinikum Leipzig
Klinik für Kinder- und Jugendmedizin
LEIPZIG · Sachsen
Zentrale Hypothyreose, PROP1/POU1F1, Hypophysenentwicklung, Schilddrüse + Hypophyse, Neugeborenenscreening, kombinierter HVL-Mangel
Zentrale Hypo.PROP1Hypophyse
Prof. Dr. med. Susanne Bechtold-Dalla Pozza
Pädiatrische Endokrinologie
Ludwig-Maximilians-Universität München
Dr. von Haunersches Kinderspital
MÜNCHEN · Bayern
Schilddrüsenerkrankungen, Hashimoto, Morbus Basedow, NNR, Turner-Syndrom, Transition, Hashimoto-Enzephalopathie
HashimotoBasedowTransition
Prof. Dr. med. Karl Otfried Schwab
Pädiatrische Endokrinologie
Universitätsklinikum Freiburg
Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin
FREIBURG · Baden-Württemberg
Schilddrüsenerkrankungen, Hypothyreose, NNR-Erkrankungen, Adipositas, Diabetologie, Down-Syndrom + Schilddrüse
SchilddrüseDownNNR
Prof. Dr. med. Paul-Martin Holterhus
Pädiatrische Endokrinologie
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Campus Kiel, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin I
KIEL · Schleswig-Holstein
Schilddrüsenerkrankungen, Hashimoto, SHOX-Defekt, DSD, molekulare Endokrinologie, pädiatrische Autoimmunthyreoiditis
SchilddrüseHashimotoENDO-ERN
Dr. med. Wieland Kiess
Pädiatrische Endokrinologie & Stoffwechsel
Universitätsklinikum Leipzig
Klinik für Kinder- und Jugendmedizin (LIFE-Child)
LEIPZIG · Sachsen
Schilddrüsenerkrankungen in Kohorte, Autoimmunthyreoiditis, LIFE-Child-Studie, Epidemiologie, Hashimoto im Schulalter
LIFE-ChildEpidemiologieHashimoto
Prof. Dr. med. Joachim Wölfle
Pädiatrische Endokrinologie
Universitätsklinikum Bonn
Klinik für Kinder- und Jugendmedizin
BONN · NRW
Schilddrüsenerkrankungen, Hashimoto, Basedow, Turner-Syndrom, Wachstum, AGS, Pädiatrische Endokrinologie allgemein
SchilddrüseTurnerWachstum
PD Dr. med. Sabine Heger
Pädiatrische Endokrinologie
Kinderkrankenhaus auf der Bult
Hannover
HANNOVER · Niedersachsen
Schilddrüse, Pubertas praecox + Hypothyreose (Van Wyk-Grumbach), GnRH+GH, pädiatrische Autoimmunerkrankungen
SchilddrüsePubertätAutoimmun
Prof. Dr. med. Martin Wabitsch
Pädiatrische Endokrinologie
Universitätsklinikum Ulm
Sektion Pädiatrische Endokrinologie
ULM · Baden-Württemberg
Schilddrüsenerkrankungen (Pseudo-Hypothyreose bei Adipositas), TSH-Erhöhung + Adipositas, metabolische Schilddrüseninteraktionen, monogene Erkrankungen
SchilddrüseAdipositasMetabolismus
Prof. Dr. med. Nils Krone
Pädiatrische Endokrinologie
Universitätsklinikum Leipzig
Klinik für Kinder- und Jugendmedizin
LEIPZIG · Sachsen
Schilddrüse, AGS, NNR, Steroidbiosynthese, molekulare Endokrinologie, ENDO-ERN, seltene Endokrinopathien
SchilddrüseNNRENDO-ERN
🇦🇹 Österreich
Univ.-Prof. Dr. Gabriele Haeusler
Pädiatrische Endokrinologie & Schilddrüse
Medizinische Universität Wien
Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde (AKH)
WIEN
Schilddrüsenerkrankungen, Hashimoto, konnatale Hypothyreose, Turner-Syndrom + Schilddrüse, ENDO-ERN, DSD, Österreichisches Screening
SchilddrüseKHENDO-ERN
Assoz.-Prof. Dr. Markus Bettendorf
Pädiatrische Endokrinologie
Medizinische Universität Graz
Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde
GRAZ · Steiermark
Schilddrüsenerkrankungen, Hypothyreose, Screening, Hypophysenfunktion, GH-Mangel, NNR-Erkrankungen
SchilddrüseHypophyseScreening
Univ.-Prof. Dr. Klaus Kapelari
Pädiatrische Endokrinologie
Medizinische Universität Innsbruck
Univ.-Klinik für Pädiatrie
INNSBRUCK · Tirol
Schilddrüsenerkrankungen, Morbus Basedow, Hashimoto, Turner + SD, konnatale Hypothyreose, Pubertätsstörungen
SchilddrüseBasedowHashimoto
Prim. Dr. Daniela Freidl
Pädiatrie & Endokrinologie
Kepler Universitätsklinikum Linz
Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde
LINZ · Oberösterreich
Schilddrüsenerkrankungen, Neugeborenenscreening OÖ, konnatale Hypothyreose, AGS, Wachstumsstörungen
SchilddrüseScreeningKH
Univ.-Prof. Dr. Daniel Weghuber
Pädiatrische Endokrinologie
Paracelsus Medizinische Privatuniversität
Universitätsklinik, Salzburg
SALZBURG
Schilddrüse bei Adipositas (pseudo-TSH-Erhöhung), metabolische Schilddrüseninteraktionen, GLP-1-Therapie, endokrinologische Komorbiditäten
SchilddrüseAdipositasMetabolismus
🇨🇭 Schweiz
Prof. Dr. med. Christa Flück
Pädiatrische Endokrinologie
Inselspital Bern
Universitätsklinik für Kinderheilkunde (PEDENDO)
BERN
Schilddrüsenerkrankungen, konnatale Hypothyreose, NR5A1, DSD, AGS, Steroidbiosynthese, Schweizer Neugeborenenscreening
SchilddrüseKHScreening CH
Prof. Dr. med. Eugen Schönle
Pädiatrische Endokrinologie (em.)
Ostschweizer Kinderspital
St. Gallen
ST. GALLEN
Schilddrüsenerkrankungen, Hypothyreose, Diabetes, Wachstum, langjährige klinische Expertise, SGKJEP-Mitglied
SchilddrüseWachstumDiabetes
Dr. med. Monika Fluri
Pädiatrische Endokrinologie
Kinderspital Zürich – Eleonorenstiftung
Abteilung Endokrinologie & Diabetologie
ZÜRICH
Schilddrüsenerkrankungen, Hashimoto, konnatale Hypothyreose, Morbus Basedow, Turner, Diabetologie
SchilddrüseHashimotoKH
Prof. Dr. med. Urs Zumsteg
Pädiatrische Endokrinologie
Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB)
BASEL
Schilddrüse, Autoimmunthyreoiditis, Hashimoto, KH, Turner + Schilddrüse, Wachstum, DSD, Transition
SchilddrüseAutoimmunKH
Dr. med. Dagmar l'Allemand
Pädiatrische Endokrinologie
Ostschweizer Kinderspital
St. Gallen
ST. GALLEN
Schilddrüsenerkrankungen, Hypothyreose, Adipositas + SD, Pubertätsstörungen, Wachstum, Prader-Willi
SchilddrüseHypothyreosePubertät
Prof. Dr. Jardena Puder
Pädiatrische Endokrinologie
CHUV Lausanne
Service d'endocrinologie pédiatrique
LAUSANNE · Vaud
Schilddrüse, Adipositas + SD, Metabolismus, Hashimoto, PCOS, pädiatrische Endokrinologie Westschweiz
SchilddrüsePCOSWestschweiz

Fachgesellschaften, Register & Selbsthilfe

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DGKED (Deutschland)

Deutsche Gesellschaft für Kinderendokrinologie und Diabetologie. Weiterbildung, Leitlinien, Referenzzentren. www.dgked.de

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ESPE (Europa)

European Society for Paediatric Endocrinology. Guidelines zu Hashimoto, Basedow, konnataler Hypothyreose, SD-Karzinom. www.eurospe.org

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ETA (European Thyroid Association)

Europäische Schilddrüsengesellschaft. Leitlinien für alle SD-Erkrankungen inkl. pädiatrische Besonderheiten. EU-TIRADS-Definition. www.eurothyroid.com

🇩🇪

Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)

Thyreologische AG der DGE. AWMF-Leitlinien SD-Erkrankungen. Schilddrüse-Symposium jährlich. www.endokrinologie.net

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ENDO-ERN (EU-Referenznetzwerk)

Europäisches Referenznetzwerk für seltene endokrine Erkrankungen. Zentrumsvermittlung bei seltener KH, SD-Karzinom-Syndrom. www.endo-ern.eu

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Neugeborenenscreening-Netzwerk D

Koordination, Qualitätssicherung und Leitlinien des erweiterten Neugeborenenscreenings in Deutschland. www.screeningdeutsches.de

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Schilddrüsen-Liga Deutschland e.V.

Selbsthilfeorganisation für alle SD-Erkrankungen. Beratung, Vernetzung, Patienteninformation. www.schilddruesenliga.de

🇨🇭

Schweizer Screening-Programm (neonatales)

Koordiniert über Kinderspital Zürich (Prof. Baumgartner). Erweiterte Metabolika + TSH seit 2005. www.neoscreening.ch